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Die Zecke oder der Gemeine Holzbock

 

Ok,  Zecken sind nicht hübsch (eigentlich sogar eklig) und sie können lebensgefährliche Kranheiten übertragen. Das macht sie unsympathisch! Jedoch ist der Lebenslauf einer Zecke hochinteressant und man traut dem kleinen Tierchen so ein bewegtes Leben gar nicht zu. Es lohnt sicht also mal einen Blick darauf zu werfen.

Zecken gehören rein biologisch zu den Spinnentieren, haben also 8 Beine und sind blutsaugende Ektoparasiten an Wirbeltieren, also leider auch dem Hund und dem Menschen. Die bei uns am meisten verbreitete Zecke ist der Gemeine Holzbock. Zecken können Überträger von Krankheiten sein, die bekanntesten sind Borreliose, FSME, Babesiose und Ehrlichiose.

Zecken haben keine Augen und nutzen zur Orientierung Tasthaare an den Beinen und das sogenannte Hallersche Organ. Dieses Organ sitzt an den Enden der beiden Vorderbeine und reagiert auf chemische Reize. Sie können auf diese Weise chemische Verbindungen erkennen, die z.B. im Atem oder dem Schweiß seiner bevorzugten Wirte vorkommen. Das Organ ist so empfindlich, daß es über größere Strecken, wie 10-15m, funktioniert. Ihre zuküntigen Wirte erkennt die Zecke an der Körperwärme, dem Geruch und an ausgeatmetem Kohlendioxid.

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Wenn die Zecke auf Nahrungssuche ist, krabbelt sie auf Büsche oder Gräser bis zu 1,5m Höhe und wartet auf ihr Opfer. Wenn sich ein Opfer nähert nimmt sie ihre Jagdposition ein. Das heißt sie streckt ihre Vordebeine in die Höhe und wartet darauf, daß der zukünftige Wirt an ihr vorbeistreift. Dann packt sie blitzschnell mit ihren Krallen zu und hält sich am Fell oder eben Hosenbein fest. Oder die Zecke geht aktiv jagen und bewegt sich auf der Suche nach einem geeigneten Wirt mit 5-8 Metern pro Stunde vorwärts. Damit bewegt sie sich immerhin schneller als eine Weinbergschnecke! Endlich auf dem Wirt angekommen, sucht sie sich in aller Ruhe die perfekte Stelle für ihre Mahlzeit. Allerdings muß eine Zecke Geduld haben bei der Jagd, sie verbringt 95 Prozent ihres Lebens mit Warten und somit auch mit Hungern! Die Nahrung benötigt eine Zecke größtenteils für ihre Entwicklung. Sie verbringt nur ca. 3% ihrer Lebenszeit (ca. 9 Jahre) mit der Nahrungsaufnahme.

Mit scherenartigen Mundwerkzeugen, die sich ganz vorne am Kopf befinden, gräbt sich die Zecke dann eine kleine Grube in die Haut ihres Wirtes. Diese Grube läuft voll Blut, welches dann immer wieder abgesaugt wird. Daher spricht man von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss. Die Zecke sondert beim ersten Stechen mit ihrem Speichel ein Betäubungmittel ab, sodaß der Stich meist unbemerkt bleibt. Zugleich ist im Speichel ein Blutgerinnungshemmer, damit die Stichstelle zugänglich bleibt und nicht zuheilen kann. Mit dem Speichel werden die so gefürchteten Krankheitserreger ausgeschieden (FSME). Darüberhinaus benötigt die Zecke nicht alle Bestandteile des Blutes. Sie filtert also die nahrhaften Teile heraus und der Rest wird über den Stechapparat wieder an den Wirt zurückgegeben. Dabei können können weitere Erreger aus dem Darm in die Blutbahn des Wirtes gelangen, z. B. Borrelien.

Hat die Zecke sich vollgesogen, dann läßt sie sich einfach vom Wirt abfallen. Dann hat die Zecke, vor allem die weibliche, ein bis zu 200faches Gewicht erreicht und kann je nach Art bis zu 3cm groß werden. Der Saugvorgang kann bis zu 10 Tage in Anspruch nehmen. Die Männchen benötigen weniger Blut, da sie nur für sich selbst Blut brauchen. Die Weibchen hingegen benötigen  zusätzlich Blut für die Eibildung. Nach der Blutmahlzeit legt das Gemeine Holzbock Weibchen ihre Eier im Laub oder Ritzen ab und geht erneut auf Wirtssuche, bis zu 7 Mal kann dieser Vorgang wiederholt werden. Danach stirbt das Weibchen.

Beim Gemeinen Holzbock schlüpft eine 6beinige Larve (ca. 5mm) aus dem Ei. Diese sucht sich schon nach wenigen Tagen einen kleineren Wirt, z.B. eine Maus, und saugt dort 2-3 Tage Blut um dann abzufallen. Diese Mahlzeit reicht für die nächsten Monate aus um sich weiterzuentwickeln. Danach häutet sich die Larve und befindet sich dann im nächsten Stadium. Sie ist dann eine Nymphe (1,2 – 2mm) und hat bereits 8 Beine. Nun benötigt die Nymphe wieder eine Mahlzeit und sucht sich einen etwas größeren Wirt wie z.B. einen Hund. Nach wiederum mehreren Monaten, je nach Temperatur, häutet sich der Gemeine Holzbock nocheinmal zum adulten Tier, wobei sich erstmalig auch das Geschlecht festlegt. Das Tier befällt danach den sogenannten Endwirt, z. B. Mensch oder Pferd, worauf dann die Paarung stattfindet. Das Weibchen läßt sich danach fallen und begibt sich zur Eiablage (bis zu 3000 Eier), das Männchen hat nun auch seinen Dienst getan und stirbt.

In Laborversuchen hat man festgestellt, daß Zecken ohne erneute Blutmahlzeit bis zu 10 Jahre überleben können!

Auch wenn Zecken nicht unbedingt zu den Sympathieträgern auf unserem Planeten gehören, haben sie doch, wie ich finde, einen beindruckenden Lebenszyklus, den man so einem kleinen Tierchen nicht wirklich zutraut.

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