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Doggy-Bag

Die Doggy-Bag ist gesellschaftsfähig geworden

Wikipedia definiert die Doggy-Bag, Doggybag, auch Doggy Bag (wörtlich: „Hundetüte“) als die englischsprachige Bezeichnung für verschiedene Formen von Behältern, die in der Gastronomie für das Einpacken und den Transport der Reste von bestellten und nicht vollständig verzehrten Mahlzeiten bestimmt sind. Diese Speisereste können so von Restaurant-Gästen für den späteren Verzehr mitgenommen werden.

Es gibt sogar endlich eine Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung: „Zu gut für die Tonne“ – Restlos genießen!

In Restaurants (und auch anderswo!) wird viel zu viel Essen weggeworfen. Nach dem Genuss eines leckeren Essens in einem Lokal bin ich oft ein wenig betrübt, wenn mein Teller noch halb voll ist, ich aber schon zu satt bin, um aufzuessen. Wenn Fleisch oder mal ein Knochen übrig bleibt, dann kommen mir meine Zuhause wartenden Hunde in den Sinn, welch eine Freude ich ihnen mit dieser kleine Sünde bereiten könnte.

Die Statistik sagt, daß in Restaurants, Großküchen und Eventcatering pro Gast 23,6 kg Lebensmittel pro Jahr weggworfen werden.

Was passiert mit Speiseresten im Restaurant?

Früher wurden die Essensreste der Wirtshäuser gesammelt und an die Schweine verfüttert. Das ist nicht mehr erlaubt. Diese Lebensmittelabfälle werden heute von Spezialfirmen abgeholt, verwertet und als organische Rückstände zu umweltfreundlicher Energie verwandelt.

Laut Wikipedia werden anfallende Speisereste in sehr großen Mengen oft gesammelt und in einer Aufbereitungsanlage zu Tierfutter weiterverarbeitet. In Deutschland war die Verfütterung an Tiere nur bis zum 31. Oktober 2006 erlaubt. Als Alternative zur Verwertung können demgegenüber Speisereste nach einer Hygienisierung als Ko-Substrat für eine Biogasanlage genutzt werden.

Das riecht nach Verschwendung!

Um so erfreulicher, daß es heutzutage nicht mehr als schlechtes Benehmen gilt, wenn man sich seine Essensreste einpacken läßt. Früher galt es als unfein, deshalb sagte man entschuldigend die Reste seien für den Hund. In America ist das sogenannte Doggy-Bag schon lange Usus.

Ich erlebe es immer häufiger in Restaurants, daß sich der Gastronom sogar richtig Mühe gibt, das Doggy-Bag schön zu gestalten. Ich hatte schon kunstvoll gestaltete Henkelkörbchen, die aus Alufolie gebastelt waren oder neulich sogar einen stolzen Schwan aus Alu-Folie, der auch noch eine schöne Deko auf dem Tisch war. Das ist für mich ein Zeichen, daß auch der Gastwirt mit dieser Lösung der Resteverwertung durchaus einverstanden ist.

Besonders aufmerksame Kellner fragen sogar automatisch, ob die Speisereste eingepackt werden sollen. Ist noch zuviel auf dem Teller zurückgeblieben, dann gibt es zwei Möglichkeiten, denen sich der Kellner stellen muß. Entweder der Gast hat seinen Appetit überschätzt, oder aber es hat nicht geschmeckt.

Was sagt Knigge dazu?

Irgendwie war es immer etwas peinlich, wenn man nach dem Essen den Kellner gebeten hat, die Reste einzupacken, er könnte ja denken, daß man sich die Reste am nächsten Tag selbst warm machen möchte. Ja, wäre das denn schlimm?

Eine effektive Maßnahme gegen die Lebensmittelverschwendung ist es in jedem Fall, also sollten wir die Möglichkeit so oft wie möglich nutzen.

Um nicht unangenehm aufzufallen, schreibt die Knigge-Expertin Vera Reich dazu:

Eine ausgesprochen zuvorkommende Geste der Gastronomen ist es, Ihnen die nicht aufgegessenen Reste mit nach Hause zu geben. In diesem Fall ist eine angemessene Erhöhung des Trinkgeldes angebracht, denn auf die Erstattung der Kosten für die Verpackung wird meist verzichtet. Viele Restaurants haben sich auf den stärkeren Wettbewerb durch Lieferdienste vorbereitet und haben Verpackungsmaterial im Haus, um Ihnen selbst kleine Reste einzupacken.

Geschäftsessen jeglicher Art sind davon grundsätzlich ausgeschlossen. Sie sollten der Servicekraft mitteilen, ob es sich um ein familiäres, freundschaftliches oder geschäftliches Essen handelt. An bestimmten Verhaltensmustern und der äußeren Erscheinung der anwesenden Personen kann diese nicht zwangsläufig erkennen, um welche Art des Essens es sich handelt. Informationen, die bereits bei der telefonischen Reservierung mitgeteilt werden, sind für den Gastronomen sehr wichtig, um zum Beispiel auch einen geeigneten Tisch für Sie zu reservieren.

Hier noch ein paar Tipps, damit in Sachen Doggybag nichts schief läuft:

  • In der gehobenen Gastronomie gibt es keine Doggybag – ebenso wenig nach Geschäftsessen oder unter Kollegen.
  • Der Service bietet das Verpacken und die Mitnahme an. Sie als Gast fragen nicht danach.
  • Keine Extrawünsche hinsichtlich der Verpackung.
  • Geben Sie ein angemessenes Trinkgeld für den Mehraufwand und die Verpackung.
  • Monieren Sie nicht die zusätzlichen Kosten, falls die Verpackung berechnet wurde.
  • Doggybags werden nicht auf den Boden oder Sitzplatz gestellt. Die Servicekraft wird einen geeigneten Platz auf dem Tisch finden.
  • Schöner wäre es, die Doggybag erst bei der Verabschiedung zu überreichen. Dies ist allerdings mit einem noch größeren Mehraufwand verbunden und kann nicht immer erwartet werden.

Fazit:

Wer sich an die Regeln hält, begeht also selbst in guten Restaurants keinen Faupas, wenn er sich die Reste einpacken läßt. Für wen auch immer.

In wirklichen Spitzenrestaurants mit Haube, Sternen oder Punkten ist die Doggy-Bag nach wie vor nicht üblich. Man würde der Bitte nach einem Doggy-Bag sicher auch nachkommen, allerdings bleibt hier nur in Ausnahmefällen etwas übrig, da die Portionen bekanntlich „sehr übersichtlich“ gestaltet sind.

Ein Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ist die Doggy-Bag jedenfalls ganz bestimmt, und sie sollte so oft wie möglich genutzt werden.

4 Kommentare

  1. Wir lassen auch immer alles einpacken wie Lothar sagt ist ja auch alles bezahlt worden. Unsere Hunde freuen sich auf das kleine Häppchen wenn wir vom Essen heimkommen 🙂

    1. So ist das bei uns auch! Ich bin davon überzeugt, daß Hunde auch einen guten Geschhmackssinn haben und sie freuen sich mal auf eine Abwechslung, auch wenn das Häppchen vielleicht mal nicht so gesund, weil gewürzt, sein sollte.
      Für mich sind Gummibärchen auch nicht gesund, aber manchmal muß es gleich eine ganze Tüte sein 😉
      LG Sabine

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