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Emotionen bei Hund und Mensch

Der Mensch hat zu Hunden ein ganz besonders emotionales Verhältnis. Warum fühlen wir uns gerade zum Hund so sehr hingezogen und lassen uns von ihm gefühlsmäßig so sehr packen?

Der Hund nimmt eine  ganz besondere Stellung in der Rangfolge der beliebtesten Haustiere ein, er ist ist nach den Katzen unangefochtene Nummer 2 auf der Beliebtheitsskala der Haustiere.

In Deutschland gibt es ca. 7 Millionen Hunde und der Trend ist ungebrochen, im Gegenteil, in den letzten Jahren sehen wir immer mehr Menschen , die sogar mit zwei oder drei Hunden leben und spazieren gehen.

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Das Verhältnis zum Hund ist in den letzten 50 Jahren deutlich emotionaler geworden. Früher hielt man Hunde auf dem Land und sie erfüllten alle einen bestimmten Zweck. Sie wurden als Wachhund gehalten, als Helfer für die Jagd, als Aufpasser für Schafsherden oder als Schutzhund bei der Polizei und Zoll. Sie waren eigentlich Nutztiere mit besonderem Status.

Sie alle hatten eine Aufgabe zu erfüllen und wurden in erster Linie zur  Arbeit gehalten. Der Hund hatte seinen Job zu machen und sich darüber hinaus möglichst ordentlich und unauffällig zu verhalten. Wer sich im Haus nicht benehmen konnte blieb eben draußen, und Zwinger oder Kette waren sein Schicksal.

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Hunde orientieren sich stark am Menschen und aufgrund ihres Sozialverhaltens war auch früher schon die Bindung vom Hund zum Hundeführer enger, als z.B. vom einem Landwirt zum Schwein oder Kuh.

Die Menschen hatten schon immer eine besondere Beziehung zu Hunden, aber heute stellen sie einen integralen Bestandteil unserer Gefühlswelt dar. Die Angelegenheit HUND ist mit so viel Emotionen besetzt wie von kaum einem anderen Lebewesen. Die meisten Hunde sind keine Nutztiere mehr, sondern sie sind Sozialpartner geworden.

Hundeschulen, die seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen waren noch vor 25 Jahren für die Ausbildung von Arbeitshunden zuständig. Ich selbst ging damals mit meiner Bobtailhündin in Ermangelung anderer Hundeschulen in einen Schäferhundverein zum Üben, aber so richtig konnte man mit diesem Fellknäuel nichts anfangen und so wurden wir jede Woche aufs Neue belächelt.

Früher war der Hundehalter Chef und der Hund Untertan, der einen Befehl erhielt und dann gehorchen mußte. Heute hat sich das durch ethologische Forschung bei Hunden und Wölfen geändert. Man weiß sehr viel mehr über das Verhalten von Hunden und nutzt dieses Wissen zur modernen Hundererziehung.

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Aber warum ist unser Verhältnis zu Hunden so besonders? Welche Emotionen sind es, die es ermöglichen, dass wir diesen wunderbaren Tieren so hoffnungslos verfallen?

Hunde haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten, welches in den Strukturen sehr ähnlich dem unseren ist. Und irgendwann haben die Menschen festgestellt, daß man Hunde eigentlich auch einfach so als Familienmitglied und Sozialpartner halten kann. Der Hund stieg quasi auf und ist mittlerweile oft ein dem Menschen ebenbürtiger Teil einer Familie.

Wir adoptieren die Hunde, erziehen sie familientauglich, füttern sie nach neuesten Erkenntnissen, schenken ihnen täglich Zeit, bringen sie zum Tierarzt bei bei Krankheit und versorgen sie bestens bis ins hohe Alter. Wir trauern wenn sie sterben, schaffen eine letzte Ruhestätte und behalten sie für immer in unseren Herzen.

Aber so völlig ohne Arbeitsaufgabe ist der Hund auf den zweiten Blick doch nicht, denn wir projizieren in sie Liebe, Hoffnungen, Erwartungen und Sehnsüchte. Damit sind Gefühle verbunden, die sonst nur unseren Kindern, Partnern oder Freunden vorbehalten sind.

Damit hat der Hund eine Aufgabe zugeteilt bekommen, die er fast gar nicht erfüllen kann. Wer kann schon Freund, Seelentröster und Psychtherapeut in einer Person sein?

Ist der Hund mit dieser Aufgabe überfordert, so entstehen Emotionen wie Trauer, Wut, Hilflosigkeit oder Enttäuschung dem Tier gegenüber. Der Hund bleibt jedoch ein Hund und verhält sich auch weiterhin wie ein Hund.

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Hunde denken sehr pragmatisch und auch ein wenig egoistisch. Sie fühlen sich dem Menschen sehr zugetan, mehr als andere Tierarten dies tun. Sie haben dadurch Vorteile und nutzen sie. Sie vermitteln uns das Gefühl: Wir gehen zusammen durch Dick und Dünn, du bist mein Held!

Und mal ehrlich, wer möchte nicht gerne ein Held sein?

Alle Emotionen, die der Mensch fühlen kann, kann auch der Hund empfinden.

Die größte Emotion ist die Liebe. Wir wollen Liebe schenken, aber auch Liebe empfangen. Aber wie lieben Hunde? Was ist ihnen wichtig? Ist das was wir Liebe nennen für den Hund die gleiche Liebe?

Hunde sind sehr anpassungsfähig und sie sind Opportunisten. Sie fühlen sich dort wohl, wo ihre Bedürfnisse befriedigt werden.

Der Hundehalter, der sich also einfühlsam um die Bedürfnisse des Hundes kümmert, sie erkennt (das kann von Hund zu Hund ja durchaus verschieden sein) und sie letzendlich befriedigt, der wird einen angenehmen Hausgenossen im Haus haben. Man sollte allerdings nicht verkennen, daß auf der Rangliste der Bedürfnisse nicht nur Futter und Zuwendung stehen, sondern auch Führung und Sicherheit ganz oben angesiedelt sind. Der Hund möchte sich an der Seite seines menschlichen Partners in vertrauter Sicherheit wiegen und wissen, daß Probleme für ihn gelöst werden. Nur dann kann der Hund auch entspannen.

Wegen Ihrer Emotionen zum Hund fällt es vielen Menschen schwer Grenzen zu setzen. Führung heißt auch Entscheidungen zu treffen, und im Zweifel auch gegen den Willen des Hundes einzufordern. Wer immer nur nett sein möchte wird kein verlässlicher Führer für den Hund werden. Einem Hund, der seine Grenzen kennt und respektiert, wird im Leben sehr viel mehr Freiheiten genießen können.

Freude und Glück hängen von der  jeweiligen Rolle ab, die der Hund für uns übernehmen soll. Als Freund und Begleiter stehen sicher die gemeinsamen Erlebnisse und der Teamgedanke eine wichtige Rolle. Wir vertrauen einander, achten aufeinander und respektieren uns.

Wenn der Hund eher ein Kinderersatz ist, so empfinden wir Glück und Zufriedenheit durch das Umsorgen und Versorgen des Tieres. Der Hund soll glücklich sein, denn dann ist es auch der Mensch.

Auch der Kuschelfaktor ist nicht zu unterschätzen. Die meisten Hundebesitzer durchströmt ein Glücksgefühl, wenn der Hund sich auf der Couch anschmiegt, seine Wärme ausströmt und mit wonnigem Grunzen sein Wohlbefinden ausdrückt. Die damit einhergehende Entspannung des Hundes überträgt sich direkt auf den Menschen und läßt uns glücklich sein.

Aber auch negative Emotionen wie Angst und Unsicherheit sind möglich in der Beziehung zwischen Hund und Mensch. Wenn negative Erlebnisse sich nicht mehr in der Wahrnehmung löschen lassen, dann wird die Angst sogar weiter verstärkt. Z.B. der Hund gebärdete sich bisher bei Hundebegegnungen mit Ziehen, Zerren und Zähnefletchen, dann erwartet man diese Situation auch bei der nächsten Hundebegnung. Man verkrampft, hat Angst vor dem was gleich kommen wird und fühlt sich hilflos. Der Verlust der Kontrolle über den Hund kann dann zum Problem werden. Entweder man löst das Problem durch Training oder die Hilflosigkeit wird sich immer weiter steigern.

Aus Hilflosigkeit kann schnell Wut werden, die den Hundehalter zum Überreagieren bringen kann.

Manche Hundehalter zeigen auch Scham, wenn sich der Hund z.B. schlecht benimmt. Man braucht nur in die Augen der anderen Menschen zu schauen, wenn der eigene Hund an der Leine pöbelt. Die Blicke  sagen: „Der hat aber einen unerzogenen Hund“. Man möchte schließlich stolz auf seinen eigenen Hund sein.

Stolz ist eine weitere Emotion, die den Hundebesitzer begleitet. Stolz auf die gute Erziehung, stolz auf sein wunderschönes Fell, stolz auf die gute Verträglichkeit mit anderen Hunden. Stolz auf die sportlichen Erfolge mit dem Hund oder seine ganz besonderen Fähigkeiten. Viele Hundebesitzer sind auch stolz darauf, einem Tier aus dem Tierheim ein schönes neues Zuhause gegeben zu haben. Warum sonst erzählen viele Menschen sofort bei der ersten Vorstellung ihres Hundes, daß er aus dem Tierheim ist oder gar aus der Tötung im Ausland? Hier ist Mitleid die vorherrschende Emotion.

Im schlimmsten Fall wird aus Freude aber Enttäuschung. Das passiert sehr schnell, wenn an den Hund bestimmte Erwartungen gestellt werden, die aber nicht eintreten. Menschen investieren in ihre Hunde viel Zeit, Geld und Mühe. Wenn man dann soetwas wie Dankbarkeit erwartet, dann kann man enttäuscht werden, denn Dankbarkeit kommt im Hundeverhalten einfach nicht vor. Trotzdem sprechen viele Hundebesitzer von der Dankbarkeit ihrer Hunde. Dann ist das jedoch schlicht die Kompatibilität des Mensch-Hunde-Teams, die beide ohne viel Aufwand zufrieden sein läßt.

Menschen, die Hunden besonders gut zuhören können, werden zusammen mit dem Wissen um eine hundegerechte Erziehung ein perfektes Team mit ihrem Hund bilden. Allerdings sollte man nicht dem Gedanken verfallen, daß man in der Hundeerziehung immer nur nett sein muß, damit man vom Hund geliebt wird. Wer führt muß Entscheidungen treffen, die dem Hund eventuell gerade nicht gefallen, trotzdem muß die Entscheidung durchgesetzt werden. Andernfalls läuft man Gefahr, daß man vom Hund nicht mehr genügend respektiert wird.

Die gute Nachricht ist, daß wenn die Erziehung gelungen ist, der Hund sie verinnerlicht hat, und eine Intakte Bindung entstanden ist, dann wird das eine oder andere Nachgeben der Emotionen das Hund-Mensch-Verhältnis nicht in Frage stellen.

Wer wird nicht auch gerne mal schwach und denkt nicht immer gleich an Konsequenz und Erziehung?

 

 

 

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