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Gelber Hund! Was ist das?

 

Im Artikel “ Warum Hunderegeln“ habe ich schon über die Notwendigkeit von Regeln im Alltag geschrieben.

Besonders am Herzen liegt mir jedoch die ungeschriebene, aber doch sehr sinnvolle Regel: Ich sollte meinen Hund bei Begegnungen mit fremden Hunden, die angeleint sind, ebenfalls an die Leine nehmen. Deshalb möchte ich darauf nocheinmal genauer eingehen.

Es hat ja ganz sicher einen Grund warum manche Hunde an der Leine gehen. Es sind ja nicht nur Menschen unterwegs, die zu faul oder unfähig sind ihren Hund zu erziehen und deshalb der Leine den Vorzug geben. Nein, es gibt viele gute Gründe, warum sich der Hundehalter für die Leine entschieden hat.

  1. Der Hund jagt: Ein Hund , der jagt, gehört, wenn er nicht zuverlässig abrufbar ist, an die Leine. Ein solcher Hund hat vielleicht selbst nichts gegen Hundekontakte, kann aber eben auch nicht frei laufen. Und das Spielen an der Leine ist auch keine gute Idee, denn dabei können sich Hunde in der Leine verheddern und verletzen. Da bleibt leider nichts anderes übrig, als dem Hund Freilauf mit anderen Hunden in einem engezäunten Gelände zu ermöglichen.
  2. Der Hund ist krank: Es gibt viele Krankheiten, bei denen ein Hund, zumindest vorübergehend, nur ruhig spazieren geführt werden darf. Z.B. bei Bandscheibenverletzungen, nach Operationen, Kastrationen oder genähten Fußverletzungen. Nicht immer kann man an einem Verband schon von der Weite erkennen, daß der Hund in ärztlicher Behandlung und gehandicapt ist. Vielleicht hat der Hund aber auch gerade eine ansteckende Krankheit und deswegen ist Abstand erforderlich.
  3. Die Hündin ist läufig: Wer eine läufige Hündin hat, hat einen der besten Gründe seinen Hund unter Kontrolle zu halten. Es sei denn er will kleine Hundebabies.
  4. Der Hund ist alt oder müde: Alte Hunde haben oft jegliches Interesse an spielenden, immer gut gelaunten Junghunden, die den ganzen Tag „oh happy day“ singen, verloren. Vielleicht tut auch schon der eine oder andere Knochen weh oder so manches Zipperlein plagt ihn und läßt ihn etwas mürrisch werden. Er möchte lieber in Ruhe gelassen werden und das ist definitiv zu respektieren.
  5. Der Hund ist ängstlich: Ängstliche Hunde wollen nicht von fremden Hunden angebaggert werden. Sie brauchen die Zuverlässigkeit und Sicherheit ihres Besitzers, damit sie mit ihrer Angst zurecht kommen können. Kommt nun ein fremder Hund einfach angelaufen oder sogar angestürmt, so bringt es den ängstlichen Hund und seinen Besitzer in Schwierigkeiten. Der Mensch möchte seinen Hund beschützen und versucht den fremden Hund irgendwie abzuwehren. Er zieht automatisch an der Leine, ruckt vielleicht sogar daran, um den Hund hinter sich zu „verstecken“. Der ängstliche Hund ist von den schnellen Bewegungen und der Situation völlig überfordert und seine Angst geht in Panik über. Weglaufen geht nicht, da er ja an der Leine hängt. Würde er nicht angeleint sein, so würde er vielleicht vor lauter Panik kopflos davonlaufen. Und wieder gäbe es einen vermißten Hund mehr! Ein ängstlicher Hund wird solche Situationen nicht vergessen und macht es ihm vielleicht unmöglich seine Angst jemals zu verlieren. Gerade für ängstliche Hunde sind Negativerlebnisse besonders schlimm und hier ist besondere Rücksicht  erforderlich!
  6. Dem Hund geht es nicht gut: Ein Hund ist auch nur ein Mensch! Wir kennen alle diese Momente oder Tage, an denen es uns begründet oder manchmal auch unbegründet einfach nicht gut geht. Vielleicht sind auch Krankheiten wie Krebs, Schmerzen oder Stoffwechselprobleme der Grund, warum er nicht belästigt werden möchte.
  7. Der Hund ist unsicher: Unsichere Hunde würden lieber langsam anderen Hunden begegnen, damit sie immer „Herr der Situation“ bleiben können. Ein freundliches und kontrolliertes Kennenlernen mit anderen gutmütigen Hunden fördern seine Sicherheit. Unkontrollierte und stürmische Hundebegegnungen sind kontraproduktiv.
  8. Der Hund möchte in Ruhe gelassen werden: Es gibt Hunde, die möchten keinerlei Kontakt zu fremden Hunden haben. Wenn ihnen ein anderer Hund zu Nahe kommt werden sie aggressiv und wehren sich. Wie ich finde auch zu Recht, soviel Selbstbestimmung sollte man Hunden zugestehen. Ich will auch nicht zu jedem Menschen Kontakt, geschweige denn engen Kontakt haben.
  9. Der Hund ist im Training: Wer mit seinem Hund trainiert kann freilaufende und herankommende Hunde nicht gebrauchen. Es behindert sein Training und wirft den bisherigen Trainingserfolg im schlimmsten Fall wieder weit zurück. Das müßte nicht sein.

Es gibt also wirklich gute Gründe für die Regel Anleinen oder Fußgehen lassen (wenns auch zuverlässig klappt!) bei Begegnungen mit fremden Hunden.

Da man bei unkontrollierten Hundebegnungen nicht nur die Hunde, sondern auch ihre Besitzer in Bedrängnis bringt, haben sich Menschen in Schweden etwas ausgedacht. Sie möchten, daß man weithin sichtbar seine Hunde kennzeichnen kann als Zeichen, daß man keinen Kontakt zu anderen Hunden möchte. Der Hund wird mit einem gelben Tuch oder einer gelben Schleife gekennzeichnet, daher Gelber Hund. Es soll ein Zeichen sein, daß dieser Hund mehr Freiraum und Abstand zu anderen Menschen oder Hunden braucht. Wie ich finde, ein prima Idee!

www.gulahund.se

https://www.facebook.com/GelberHundDeutschland

Es ist also ganz klar, nicht jedem Hund sieht man von der Weite an, daß Kontakt unerwünscht ist. Was spricht also dagegen, wenn man seinen Hund kurz zu sich ruft und anleint, mit dem anderen Hundebesitzer ein paar Worte wechselt und dann enscheidet. Betrachten wir es doch einfach als gute Möglichkeit den Rückruf unter Ablenkung zu trainieren 😉

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