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Hundezucht – Quo Vadis

Ohne Hundezucht gäbe es auch keine verschiedenen Hunderassen.

Hundezucht war in früheren Zeiten meist eine Notwendigkeit, da man sich die guten Eigenschaften des Hundes zu Nutze machte und sie bei der Arbeit behilflich waren. Für jeden Zweck, der richtige Hund. Nur besonders hochstehende und reiche Menschen hielten sich Gesellschaftshunde.

Der Mensch züchtet Hunde und verfolgt mit jeder Züchtung bzw. jeder Rasse einen bestimmten Zweck. Die Motivationen, die verschiedene Zuchtziele festzulegen, können  ganz unterschiedlich sein.

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Für welchen Gebrauch werden Hunde gezüchtet?

Gebrauchshunde sollen ganz bestimmte Arbeiten verrichten und werden in erster Linie nach Merkmalen für diesen ganz bestimmten Zweck selektiert. So soll ein Jagdhund ein Begleiter des Jägers bei der Jagd sein und gewisse Anforderungen und Aufgaben erfüllen. Da gibt es die kleinen kurzbeinigen Hunde ( z.B. Dackel oder Jagdterrier), die gerne in Fuchsbauten geschickt werden, oder die großen Vorstehhunde (Deutsch Kurzhaar oder Pointer), die Wild aufspüren und anzeigen sollen.

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Es gibt die Hütehunde (z.B. Border Collie oder Blue Healer) die bei der Arbeit mit Schafs- oder Kuhherden helfen sollen und es gibt die Rettungshunde, Schutzhunde oder Spürhunde.

Bei all diesen Hunden wird der Züchter in erster Linie Wert auf gute Gebrauchseigenschaften bei der Verpaarung legen und auf die Nutzungseigenschaften besonders achten. Die äußeren Merkmale sollten also eher zweitrangig sein.

Familienhunde sollen sich besonders gut in die Familie einfügen können, kinderlieb sein, verträglich mit anderen Tieren sein, leicht erziehbar sein und in erster Linie ein Freund sein. Da sich die Menschen früher jedoch Hunde immer nur zweckgebunden hielten, sind unsere heutigen Familienhunde meist Varianten der damaligen Gebrauchshunde. Auch findet man heute bei einigen Rassen zwei verschiedene Zuchtlinien, nämlich einerseits die Arbeitslinie und andererseits die so genannte Showlinie. Bei Retriever und Labrador ist das z.B. ganz oft deutlich zu sehen. Die Arbeitslinie des Jagdhundes ist schlanker, sportlicher und sehr aufgeweckt und die Showlinie ist eher stabil gebaut, freundlich und ruhiger im Wesen.

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Hundezucht auf Abwegen

Die Hundezucht auf der ganzen Welt ist jedoch nicht ganz unproblematisch. Aus vielen Zuchtzielen erwachsen so genannte Qualzuchten. Darunter fallen z.B. alle Hunde mit den „platten Nasen“ wie Mops, französische Bulldogge oder englische Bulldogge. Um niedlich auszusehen und dem Kindchen Schema zu folgen, wurden die Nasen immer kürzer gezüchtet, damit der Kopf möglichst rund und die Augen möglichst groß sind. Die Folge ist Atemnot und damit akuter Sauerstoffmangel. Diese Tiere leiden permanent, auch im Ruhezustand, unter Luftnot. Man kann sich das so vorstellen, als ob wir unser Leben lang nur durch einen Strohhalm atmen könnten. Diese Tiere leiden unter der falschen Zuchtauslese ein ganzes Leben lang, auch Folgekrankheiten des permanenten Sauerstoffmangels in allen Organen des Tieres treten unweigerlich vermehrt auf. Von wegen mopsfidel.

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Beim Cavalier King Charles Spaniel hat man die Köpfe so klein gezüchtet, daß sie oft ein zu großes Gehirn für eine zu kleine Knochenschale haben. Ständige Kopfschmerzen mit noch schlimmeren Folgen sind vorprogrammiert. Sie leiden häufig an  Endokardiose, einer fortschreitenden Degeneration der Herzklappen.

„Der King Charles Spaniel wurde Opfer des an ihm wahnhaft statuierten Kindchenschemas: Die Augen wurden immer größer, der Kopf immer runder – bis er zu klein für das Gehirn war. Die Folgen tragen komplizierte Namen: Chiari Malformation und Syringomyelie. Technisch bedeuten sie, dass das Gehirn in den Rückenmarkskanal gedrückt wird und dort die Flüssigkeitszirkulation stört. Praktisch bedeuten sie lebenslange Schmerzen.“ (Quelle: Green Peace Magazin)

Der Rhodesian Ridgeback soll unbedingt einen „Ridge“ (übersetzt: Reißverschluss) auf dem Rücken haben. Hat er das nicht, wird er aus der Zucht ausgeschlossen. Leider ist das Gen für den erwünschten Haarstrich „Ridge“ mit einem Gen gekoppelt, welches eine schlimme Krankheit mit anlegt. Hauteinstülpungen am Rücken, die bis in den Wirbelkanal hineinreichen können und Schmerzen bis in die Hinterläufe verursachen.

Der Deutsche Schäferhund ist ein weiteres Beispiel für einen völlig verkommenen Zuchtplan. Das „Heck“ sollte nach Ansicht der Züchter „tiefer gelegt“ werden. Die Folge ist ein unausgewogenes Knochenskelett mit massiver Hüftgelenksdysplasie. Auch hier muß der Hund Schmerzen leiden, weil der Mensch ein sehr zweifelhaftes Schönheitsideal verfolgt hat.

Der Chihuahua war schon immer ein kleiner Hund, aber er wurde noch kleiner gezüchtet, manche Exemplare wiegen nur noch 500g. Dieser kleine Hund ist mittlerweile nur eine Karikatur dessen, was er einmal war, nämlich ein mutiger und durchaus ernst zu nehmender Hund. Die Köpfe dieser kleinen Hunde wurden so groß gezüchtet, daß sie gar nicht mehr auf natürlichem Wege das Licht der Welt erblicken können, und sie haben ein  „Loch“ im Kopf. Diese offene Fontanelle kann ihnen sehr schnell zum Verhängnis werden, wenn z. B. beim wilden Spiel mit einem anderen Hund diese offenen Stelle getroffen wird, dann kann der Hund auf der Stelle tot sein.

Einen wunderbaren und lesenswerten Artikel mit Bildern von Hunden früher und heute, die die Auswüchse der modernen Hundezucht verdeutlichen, finden sie auf Hundewiesen.com

Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig und nur ein Auszug der verfehlten Zuchtziele auf Kosten der Gesundheit unserer Hunde.

Die Liste der betroffenen Merkmale bei den unterschiedlichen Hunderassen ist lang, sehr lang. Und es scheint, daß so gut wie alle Hunderassen irgendwie davon betroffen sind. Der Genpool wirklich gesunder Hunde ist so klein geworden, daß wenn man alle Hunde, die auch nur kleine Anzeichen der rassetypischen Krankheiten aufweisen aus der Zucht herausnehmen würde, gar keine Zucht mehr möglich wäre. Mit den wenigen verbleibenden Elterntieren wäre nur noch Inzucht möglich.

Die Liste der betroffenen Merkmale des Gutachtens zur Auslegung des Verbotes von Qualzüchtungen kann man hier nachlesen: hier klicken

Eigentlich müßte man erwarten, daß Verbände wie der VDH (Verband deutscher Hundezüchter) Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit diese Qualzuchten endlich aufhören, viel zu lange wird diesem Treiben schon zugeschaut. Seit Jahren wird bei den Zuchtverbänden darauf hingewiesen, jedoch die Mühlen mahlen sehr langsam. So richtig will keine Einsicht bei den Züchtern einkehren. Der VDH argumentiert er sei streng, jedoch die angeschlossenen Züchter würden immer weniger, zugunsten der s.g. wilden Züchter, die sich keinerlei Regeln unterwerfen möchten. Es macht also jeder was er will. Angeblich tut der VDH etwas dagegen, aber es nützt nichts. Der VDH unterfüttert diese These mit den Suchergebnissen im Internet: Man findet Hunderte von nicht-VDH-Züchtern in diesen Portalen. Das stimmt zwar, aber ist es nur weil andere es noch schlechter machen ein gutes Argument für eigene Unzulänglichkeiten? Und dass es im Ausland noch schlimmer ist, ist auch kein wirklich stichhaltiges Argument sich hierzulande dem Schicksal einfach zu ergeben.

Verbot von Qualzuchten

Seit 1986 sind Qualzuchten laut § 11b im Tierschutzgesetz verboten. Doch wissenschaftlich klar festgelegte Kriterien gibt es nicht. Darüber hinaus sind umfassende Kontrollen schwer möglich. Das Qualzuchtgutachten verbietet keine ganzen Rassen. Nur Hunde mit extrem überzogenen Merkmalen müssen aus der Zucht genommen werden.

Das Ganze ist mehr Schein als sein, denn jeder Mops leidet unter seinen Atemproblemen, die meisten Schäferhunde, Doggen, usw. leiden unter Gelenkproblemen, unzählige Dackel haben Rückenbeschwerden. Die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. Diese gehäuften Beschwerden findet man nur bei bestimmten Rassehunden, welche vom Menschen auf ein bestimmtes Aussehen hin produziert werden.

(Quelle: THP Foren)

Was könnten die Verbände tun? Was wir von den Verbänden erwarten, ist eine klare und öffentliche Stellungsnahme zu Zuchtproblemen. Eine öffentliche und klare Verurteilung von Qualzuchten, eine klare und deutliche Ächtung von verantwortungslosen Züchtern und auch eine Unterstützung der Idee, kranke Hunde von Zuchten auszuschließen. Denn das wäre ein erster Schritt – auch wenn er nicht perfekt wäre. Es wäre einer. Denn gerade bei den wilden Züchtern sind die Show-Ergebnisse bares Geld wert. Und wer es sonst nicht lernt, der lernt es immer noch am schnellsten über das Portemonnaie. Man könnte natürlich auch einfach nur VDH- oder andere Verbandszüchter zu Shows zulassen – so wie man in einem Landesverband sein muss, um an gewissen Sportveranstaltungen teilzunehmen. Wie gesagt, man könnte. Man müsste dann aber auch.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir behaupten keinesfalls, der VDH sei für Qualzuchten. Wir glauben nur, dass er zu wenig dagegen unternimmt.

(Quelle: Beste Hunde)

Da stellt sich einem als Hundefreund die Frage:  Warum kaufen die Leute Hunderassen von denen sie wissen, daß sie schwerwiegende Gendefekte aufweisen können? Wohl wissend, daß sie die Lebensqualität dieser Hunde einschränken und zumeist auch nachfolgend hohe Tierarztkosten verursacht werden. Warum hat es sich immernoch nicht herumgesprochen, daß der Anschaffungspreis eines Hundes das Allerwenigste ist, daß der Hund im Laufe seines Lebens erst richtig Geld kostet, wenn man oft zum Tierarzt muss?
Ich denke: Weil gekauft wird, was gerade „in“ ist. Es ist entweder Unkenntnis oder Ignoranz der Tatsachen.Weil Knautschgesicht, Plattnase, Hängelider, Schlabberschnauze, Falten, wo auch immer, eben soooo süß sind! Weil viele haben wollen, was Werbung, Promis und Zeitschriften gerade favorisieren. Und das scheinbar um jeden Preis! Und da Geiz immer noch geil ist, fällt die Entscheidung oft für den Billigvermehrer! Mit verherenden Folgen.

Einzige Abhilfe: Ein für ALLE gültiges Tierschutzgesetz, dass jede Form von Qualzucht von vorne herein verbietet. Es kann nicht sein, daß Tiere vermehrt werden können, und gesundheitliche Beeinträchtigungen wissentlich und ohne Scham auf Kosten der Tiere  in Kauf genommen werden dürfen…… Eine echte Herkulesaufgabe!!!

Natürlich gibt es, wie überall, nicht nur schwarze Schafe unter den Hundezüchtern. Es gibt viele Hundezüchter, die sich mit ganz viel Hingabe und Herzblut ihrer Zucht verschreiben und ihren Welpen nur das Beste wünschen. Aber in welchem Dilemma sind Züchter, wenn auf den Schauen der Mops mit den größten Augen und der kürzesten Nase prämiert wird? Oder der Deutsche Schäferhund, dessen Hinterhand viel tiefer als die Schulter liegt, den ersten Platz belegt?

Wer ist hier also Schuld? Die Züchter sagen der Markt will es so und die zukünftigen Hundebesitzer sagen sie sind unwissend und würden den Züchtern vertrauen und sich auf sie verlassen. Die Zuchtverbände sind sich auch nicht wirklich einig wohin die Reise gehen soll. Mittlerweile ist der Genpool von einigen Rassen so schlecht, daß wenn man alle auffälligen Hunde aus der Zucht konsequent verbannen würde, blieben nicht genug Tiere übrig , um die Zucht aufrecht zu erhalten….. Ein echtes Dilemma!

 

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Ein ganz aktueller Fall von Qualzucht: Die berühmte Englische Bulldogge Tillmann

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Wenn Sie einen intensiven Einblick in die Welt der Hundezucht erhalten möchten, dann kann ich Ihnen diesen Dokumentarfilm empfehlen. Aber Vorsicht man sieht in ziemlich tiefe Abgründe. Die schöne Scheinwelt der Hundezucht ist leider ebenso krank wie die Hunde, die gezüchtet werden. Und das passiert auf der ganzen Welt. HUNDEZUCHT

Pedigree Dogs Exposed (deutsch etwa: Rassehunde enthüllt ; Titel der deutschsprachigen Fassung: Rassereine Krüppel Hunde zu Tode gezüchtet ) ist ein investigativer Dokumentarfilm der britischen Dokumentarfilmerin Jemima Harrison, der erstmals 2008 auf BBC One ausgestrahlt wurde. Der Film untersucht tierschutzrelevante negative Folgen der Rassehundezucht in Großbritannien und kritisiert die Zuchtpraktiken des britischen kynologischen Dachverbands The Kennel Club. Der Kennel Club (KC) organisiert unter anderem die prestigeträchtige Hundeausstellung Crufts, die größte Hundeausstellung der Welt. Der Film kritisiert die Tatsache, dass der Kennel Club durch seine Rassestandards, Zuchtpraktiken und Prioritäten beim Richten der Hunde negative Folgen für deren Gesundheit bewusst in Kauf nimmt. Der Film wurde vom Kennel Club stark kritisiert. Er hatte zur Folge, dass diverse Sponsoren und Verkäufer ihre Beteiligung an Crufts und anderen vom Kennel Club organisierten Anlässen zurückzogen. Die British Broadcasting Corporation (BBC), welche Crufts vorher für 42 Jahre im Fernsehen übertragen hatte, hat die Ausstellung nach Ausstrahlung des Films seit 2009 aus ihrem Programm gestrichen. Der Kennel Club bestritt nach der Erstausstrahlung zuerst, dass viele Rassehunde unter Krankheiten leiden und vertrat den Standpunkt, dass die meisten Hunderassen gesund seien. Er beschwerte sich bei der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom über unfaire und tendenziöse Behandlung des Themas. Aufgrund der Reaktionen aus der Bevölkerung initiierte er allerdings später infolge des Films neue Pläne zur Zucht von gesunden Hunden und überprüfte die Standards aller durch ihn betreuten Rassen im Hinblick auf gesundheitliche Fragen. Einige Züchter kritisierten dies als Überreaktion. Die Entscheidung der Ofcom besagte, dass das Recht auf Gegendarstellung für einige Aussagen des Films nicht beachtet worden war, lehnte jedoch Beschwerden zu diversen weiteren Aspekten ab.

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