Impfungen, nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen

In den letzten Jahrzehnten ist es in Deutschland gelungen, eine Eindämmung der meisten Infektions-Krankheiten durch flächendeckendes Impfen zu erreichen. Das ist zunächst die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, daß immer mehr darüber diskutiert wird, ob wir unsere Haustiere/Hunde zu oft und zu viel impfen. Es ist gängige Praxis, daß Hunde standardmäßig nach der Grundimmunisierung ihre jährlichen Auffrischungsimpfungen erhalten. Aber ist das wirklich nötig? Welche Impfung für einen Hund ist wirklich sinnvoll?

Impfungen sind unerläßlich, um vor vielen Infektionskrankheiten bei Hunden vorzubeugen. Die Frage ist jedoch, ist es notwendig jeden Hund jedes Jahr neu zu impfen? Wir Menschen werden auch geimpft, aber mir ist keine Impfung bekannt, die jährlich neu aufgefrischt werden muß. Daher wird zur Zeit heftig darüber dikutiert, ob unsere Hunde nicht „überimpft“ sind.

 

Schauen wir uns zunächst einmal an, gegen was unsere Hunde geimpft werden.

Staupe, eine ansteckende, fiebrige virale Allgemeinerkrankung mit unterschiedlicher Organmanifestation

Parvovirose, eine durch das canine Parvovirus CVP2 hervorgerufene akute Herzmuskelentzündung oder entzündliche Erkrankung des Dünndarms

Hepatitis, Ansteckende Leberentzündung

Leptospirose, eine Krankheit, die durch s.g. Saprophyten (Bakterien) zu einer Gesamtinfektion des Organismus führt.

Tollwut, eine schnell verlaufende, virale und lebensbedrohliche Gehirntentzündung.

Zwingerhusten, eine infektöse Krankheit der Luftwege des Hundes (nur empfohlen bei Hunden mit erhöhtem Infektionsrisiko, also Kontakt zu vielen Artgenossen oder vielen Katzen)

Borreliose, eine durch Zecken übertragene Krankheit. Borreliose-Bakterien breiten sich im gesamten Körper aus und können alle Organe befallen. Sie lösen entzündliche Gelenks-, Nerven- und Herzerkrankungen aus (nur in Gebieten, in denen Zecken vorkommen)

 

Dabei wird unterschieden zwischen Lebenden Impfstoffen und Toten Impfstoffen, je nach Anwendungsbereich.

Aktive lebende Impfstoffe: Aktive Impfstoffe sind nichts anderes, als in ihren krankmachenden Eigenschaften abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger. Das heißt, der Hund wird infiziert und im Körper vermehren sich die Viren. Sie induzieren eine Immunität ohne jedoch Krankheitssymptome zu verursachen. Diese Immunität wiederum begrenzt die Infektion und eleminiert den Impfvirus wieder durch Ausscheiden.

Nachteil: Bei Tieren mit einem Immundefizit kann es zu Nebenwirkungen und Krankheitserscheinungen kommen.

Vorteil: Lebendimpfstoffe wirken in der Regel effizienter als Totwirkstoffe.

Inaktive tote Impfstoffe (Tollwut und Leptospirose): Inaktive Impfstoffe sind nicht infektös, sie vermehren sich nicht nach der Impfung im Hund und werden auch nicht wieder ausgeschieden. Die Virusmenge aus dem Impfstoff ist also die Menge, gegen die eine Immunantwort im Körper ausgebildet werden muß.

Vorteil: Sie können keine Erkrankungen verursachen.

Kombinationsimpfstoffe: Sie enthalten Antigene oder Antigenbruchstücke mehrerer Erreger.

Vorteil: Der Hund muß nur einmal gepiekst werden.

Nachteil: Einzelne Komponenten können nicht aufgefrischt werden, wenn erforderlich und der Hund muß mehrere Wirkstoffe gleichzeitig verarbeiten.

 

Bis vor wenigen Jahren haben Tierärzte noch die jährliche Auffrischung der Impfungen bis ins hohe Alter des Hundes empfohlen. Meist als Kombipräparat in einer einzigen Spritze. Die kritischen Stimmen gegenüber dieser Praxis werden jedoch immer lauter. Es gibt mittlerweile einschlägige Untersuchungen, daß es durchaus gesundheitliche Gefahren durch Nebenwirkungen birgt, wenn jedes Jahr gegen eine breite Palette von Krankheiten geimpft wird. Zudem gibt es Untersuchungen die zeigen, daß bei einigen Impfstoffen inzwischen ein viel längerer Impfschutz als gesichert gilt.

Nicht gegen jede Krankheit muß jährlich nachgeimpft werden.

Der Bundesverband praktizierender Tierärzte hat auf diese Kritik reagiert und eine Ständige Impfkommission gegründet. Hier entwickeln und überprüfen Wissenschaftler und Vertreter berufsständischer Organisationen Empfehlungen und Maßnahmen zur spezifischen Prophylaxe übertragbarer Krankheiten.

Mittlerweile ist es wissenschaftlich nachgewiesen, daß ein Großteil der Impfstoffe mindestes 3 Jahre anhält und danach ab dem 8. Hunde-Lebensjahr keine Impfung mehr notwendig ist, da der Hund für den Rest seines Lebens über genügend Impfschutz verfügt. In England wurden sogar Untersuchungen bekannt, die einen lebenslangen Impfschuz nach der Grundimmunisierung zum Ergebnis hatten.

Jeder Hundehalter sollte also entscheiden, welche Impfungen er für seinen Hund für notwendig erachtet. Informieren Sie sich selbst und sprechen Sie dann mit ihrem Tierarzt darüber. Die jährliche „Impfkeule“ ist nicht mehr zeitgemäß. Sollte ihr Tierarzt an einer jährlichen Impfauffrischung festhalten, sollten Sie über einen Wechsel nachdenken. Man sollte sich immer vor Augen halten, daß jeder Wirkstoff eine Reaktion im Körper verursacht. Manchmal leider auch nicht gewünschte Reaktionen, das sind dann die berühmten Risiken und Nebenwirkungen.

ZITAT:

Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Hunde
Gültig seit Juli 2013
Gegen diese Infektionen sollten Hunde immer geschützt sein:
Ansteckende Leberentzündung (HCC), Leptospirose, Parvovirose, Staupe, (Tollwut)
Grundimmunisierung
(Als Grundimmunisierungen vonWelpen gelten alle Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren)
Im Alter von 8 Lebenswochen: HCC, Leptospirose, Parvovirose, Staupe
Im Alter von 12 Lebenswochen: HCC, Leptospirose, Parvovirose, Staupe, Tollwut
Im Alter von 16 Lebenswochen: HCC, Parvovirose, Staupe, Tollwut
Im Alter von 15 Lebensmonaten: HCC, Leptospirose, Parvovirose, Staupe, Tollwut
In einem höheren Alter vorgestellte Tiere erhalten ihre Impfungen in denselben Abständen. Ab einem Alter von 16 Lebenswochen ist eine einmalige Impfung bei Verwendung von Lebendimpfstoffen und eine zweimalige Impfung bei inaktivierten Impfstoffen im Abstand von 3 – 4 Wochen, gefolgt von einer weiteren Impfung nach 1 Jahr, für eine erfolgreiche Grundimmunisierung ausreichend.
Wiederholungsimpfungen
Wiederholungsimpfungen sind alle Impfungen, die nach abgeschlossener Grundimmunisierung erfolgen.
Tollwut:
In Deutschland gelten seit Änderung der Tollwutverordnung v. 20.12.2005 die in den Packungsbeilagen der Impfstoffe genannten Wiederholungsimpftermine.
Staupe, HCC, Parvovirose:
Wiederholungsimpfungen ab dem 2. Lebensjahr in dreijährigem Rhythmus sind  nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausreichend.
Leptospirose:
Jährliche Wiederholungsimpfungen (in Endemiegebieten häufiger) sind zu empfehlen. Impfungen gegen diese Infektionen empfiehlt der Tierarzt individuell
– je nach Lebensumständen des Tieres und/oder aktueller Seuchenlage:
–Borreliose
–Leishmaniose
–Pilzinfektionen
–Zwingerhusten
ZITAT ENDE

Wenn Sie mehr wissen wollen:

http://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/Impfkommission/03-index.php

 

Das sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.

Man sollte jedoch bedenken, daß diese Kommission vom Tierärzteverband gestellt wird. Tierärzte sind Unternehmer und die jährlichen Impfungen, Wurmkuren und Kastrationen sind eine Basiseinnahme, die eine Tierarztpraxis finanziert. Sollte diese Einnahmequelle wegfallen, so wäre dies für viele Tierärzte eine gewaltige Einbuße.

Hier also wieder meine Bitte: Denken Sie mit und informieren Sie sich!

Meine Hunde wurden jahrelang regelmäßig geimpft, ich habe es nicht besser gewußt. Heute lasse ich nur noch gezwungenermaßen gegen Tollwut impfen, da diese Impfung für Hunde per Gesetz vorgeschrieben ist wenn man in ein anderes EU-Land fährt, was wir öfter tun.

Mein Buchtipp:

Hunde würden länger leben, wenn… von Tierärztin Jutta Ziegler

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.