Reh

Jagdhunde erschossen

Skandal in Niederbayern!

Am Dreikönigstag 2015 begann in Obernzell bei Passau das Drama. Ein Jäger erschoss in seinem Revier zwei Jagdhunde eines Jägerkollegen, die gerade an einer Drückjagd im Nachbarrevier im Einsatz waren.

Die Hunde haben scheinbar nicht gewußt, daß es menschgemachte Reviergrenzen gibt, und haben diese Grenze überschritten und sind ins Nachbarrevier spaziert. Schließlich war es ihre Aufgabe Wild aufzustöbern. Sie konnten auch nicht ahnen, daß sich die Jägerschaften der beiden Reviere schon seit längerem nicht grün waren. Den Jäger des Nachbarrevieres störten die beiden Hunde jedoch und er erschoß sie. Er erschoß sie mit zwei gezielten Schüssen kurz hintereinander.

Nachdem die Hunde nach der Drückjagd nicht wieder bei ihrem Herrn aufgetaucht waren, ging man auf die Suche nach den beiden. Sie wurden gefunden. Erschossen und unter Reisig versteckt. Von den Halsbändern mit GPS-Sender und den neonfarbenen Warnwesten der Hunde fehlte jede Spur. Sie dürften vom Schützen entfernt worden sein, warum wohl?

Der Schütze wurde mittlerweile von der Polizei ermittelt, es war der Jäger  des Nachbarreviers, er bekennt sich. Warum die beiden Hunde getötet wurden ist unklar. Der Schütze gab an, die beiden Hunde hätten gewildert. Weitere Angaben machte er nicht und verwies auf seinen Rechtsanwalt. Nach den Aufzeichnungen der GPS-Bänder haben sich die Hunde vor den Schüssen in einem kleineren Raum bewegt, womit Wilderei seitens der Hunde durch Hetzen so gut wie ausgeschlossen wurde.

Jetzt kam es zur Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Passau. Die Ermittlungen der Polizei haben ergeben, daß der Jagdpächter des Nachbarreviers die beiden Hunde seines Kollegen erschossen hat. Der Jäger tötete die Mischlingshündin Lola und die Jagdterrierhündin Babsi absichtlich und aus nächster Nähe. Danach versteckte er die Hunde im Gebüsch und versenkte die beiden Halsbänder mit den Peilsendern in der Donau.  Er habe die Hunde beim Wildern erwischt und sie deshalb getötet, hatte er zur Begründung angegeben.

Der Angeklagte gibt selbst zu, die beiden Hündinnen „Babsi“ und „Lola“ getötet zu haben. „Ich habe gehandelt, wie ich handeln mußte, um Jagdschutz zu betreiben“ hat er zu Prozessbeginn gesagt. Während im Nachbarrevier 18 Jäger mit 8 Hunden eine Drückjagd veranstalteten, über die er angeblich nicht informiert war, hätte er in seinem Revier die beiden Hunde beim Hetzten eines Rehes erwischt.

Zum Hergang berichtet die Passauer Neue Presse aus dem Gerichtssaal: Er will zwei andere Hunde ohne Warnwesten von Nordwesten kommen gesehen haben, die aber wieder verschwanden, sagt der Angeklagte. Wenig später wäre aus Nordosten ein gehetztes Reh durch den Jungwald gebrochen, Richtung Donau abgesprungen. Auch aus dieser Richtung wären zwei Hunde gefolgt, sie ließen nicht von der Rehverfolgung ab, da habe er sie erschossen. „Ich habe gehandelt, wie ich handeln musste, ich bin dazu verpflichtet, um Jagdschutz zu betreiben.“

Bei dem zweitägigen Prozess drehte es sich nicht um die doch sehr merkwürdigen Umstände dieser Tötungen, sondern nur um die Frage, ob der Schütze berechtigt war zu schießen. Die Frage ist, ob der Revierpächter die beiden Hündinnen kaltblütig erschoß, oder ob er von seinem Recht Gebrauch machte, zwei wildernde Hunde zu erschießen.

Der Anwalt des Schützen argumentierte folgendermaßen: Nicht der Angeklagte, sondern die benachbarte Jagdgesellschaft sei zu verfolgen. Sie hätten gewildert, indem sie ihre Hunde über die Reviergrenzen hinausgeschickt hätten, damit ihnen das Wild zum Abschuß zugetrieben würde. Als die Hunde dies nicht mehr tun konnten, weil sie tot waren, hätten sie die Jagd abgebrochen. Der Hundehalter hätte die Hunde die dreckige Arbeit machen lassen, das sei Jagdwilderei.

Der Staatsanwalt hingegen pochte auf das Tatgeschehen: „Wer durch zwei Warnwesten offensichtlich gekennzeichnete Jagdhunde erschießt, hat da draußen nichts zu suchen.“ Der Angeklagte wäre einfach sauer darüber gewesen, weil man ihn nicht von der Jagd informiert hätte und die Hunde in seinem Revier waren. „Da haben Sie geschossen, hätten aber nicht schießen dürfen. Das ist einfach feige und niederträchtig.“

Was für den Staatsanwalt und den Richter besonders gegen den Revierpächter sprach, war das Verhalten nach seiner Tat. Er zog den beiden Hunden die Halsbänder mit den Peilsendern und die Warnwesten aus und versenkte sie in der Donau. Die Körper der toten Tiere versteckte er unter Zweigen. Dann hätte er zusätzlich noch versucht den Hundehalter schlecht zu machen.

Das Gericht verurteilte den Mann wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachzerstörung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro. Nach Auswertung der Peilsender, die die Hunde bei der Jagd trugen, war nicht von Wilderei auszugehen. Das Gericht nahm an, daß der Schütze die Tat verschleiern wollte.

Der Verurteilte hat seinen Waffenschein bereits vor dem Prozess „freiwillig“ abgegeben. Sein Jagdschein lief im April aus.

 

Kommentar:

Natürlich handelt es sich in diesem Fall um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und „NUR“ um Sachbeschädigung. Die moralische Sicht auf diese Dinge ist jedoch sehr viel verwerflicher. Ein Jäger, der mit dem besonderen Recht auf den Besitz und Gebrauch einer scharfen Waffe ausgestattet ist, hat auch besondere moralische Verpflichtungen. Er darf seine Waffe einfach nicht gegen völlig unbeteiligte Hunde einsetzen weil im der Hundebesitzer nicht paßt!

Allerdings sehen auch die Jäger nun einmal wie es ist, wenn einem der Hund einfach abgeknallt wird.

Wieder einmal hat ein Jäger selbst dazu beigetragen, daß die Jägerschaft ein schlechtes Image hat und auch behält.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.