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Leinenaggression – so ein Angeber!

Warum nur, sind manche Hunde an der Leine die reinsten Bestien?

Wildlebende Hunde haben andere Möglichkeiten als unsere domestizierten Hunde, die sich an die Regeln des Menschen auf oft engem Raum, z. Beispiel auf Gehwegen, halten müssen. Distanz zu anderen Hunden oder unbekannten Hunden ist bei einem freilaufenden Hund oder Rudel völlig normal und läßt Aggressionen gar nicht erst aufkommen. Man geht sich möglichst großräumig aus dem Weg und die Sache ist in Ordnung.

In unseren „zivilisierten“ Lebensräumen geht das oft nicht, denn auch der Hund muß sich mit seinem Menschen zusammen an Regeln halten. Also kommt der Hund an die Leine, damit wir Menschen ein regelkonformes Verhalten des Hundes auch sicherstellen können.

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Eine Leine ist aber im Hundeleben nicht einprogrammiert, und schon gibt es Probleme. Viele Hunde akzeptieren die Einschränkung der Leine, aber es gibt andere, die mit der Reglementierung der Leine nicht gut zurecht kommen.

Wie immer, ist ein Verhalten auch immer abhängig von der Situation. Der Halter spielt eine Rolle, die sich begegnenden Hunde, die äußeren Einflüsse und die örtlichen Gegebenheiten beeinflussen die Situation. Ebenso ist eventuell bereits erlentes Verhalten in der Vergangenheit zu berücksichtigen.

Stellen wir uns einmal vor, wir sind Hund. Wir gehen also mit Frauchen durch die Siedlung und da kommt uns dieser übelriechende Flocki vom anderen Ende der Siedlung, der hier überhaupt nichts verloren hat, mal wieder mit seinem Frauchen entgegen. Er ist ein unangenehmer Typ und wir mögen ihn nicht in unserer Nähe haben. Aber Frauchen besteht darauf, daß wir auf dem engen Bürgersteig auch noch dicht aneinander vorbeigehen. Er kommt direkt und geradewegs auf uns zu.

Es kommt wie es kommen muß, Flocki kommt näher und näher, schaut mir direkt ins Gesicht, bekommt einen ganz steifen Gang (ich übrigens auch), und ich will diesen Köter nur weg haben. Aber Frauchen hat mir diese blöde Leine ans Halsband gehängt und im Notfall könnte ich mich nicht mal verteidigen oder, wenn ich Hasenfuß sein möchte, wegrennen.

Die Individualdistanz wird unterschritten!

Er bedroht mich! Und Frauchen will tatsächlich, daß der noch näher kommt? Ne, ne, dann schieße ich mal lieber vor, gebe dem Flocki eine volle Breitseite, sodaß er seinen Schwanz einkneift und mitsamt seinem Frauchen vom Gehweg verschwindet.

Schwupps, und schon hält er Abstand, geht doch. Ja und jetzt, jetzt kann ich hier auch weitergehen ohne daß der mich blöd anmacht oder ich meine Gesicht verliere.

Die renommierte Verhaltensforscherin Dr. Dorit Feddersen-Petersen beschreibt dies als „Mittel zur Distanzvergrößerung“.

Was bleibt dem Hund auch übrig, wenn ihn die Leine an normalem Hundeverhalten hindert. Aus der Warte des Hundes ist sein Verhalten also durchaus zu verstehen.

Wir Menschen finden dieses Verhalten wiederum völlig unmöglich, ja fast sogar peinlich. Die anderen könnten ja denken ich kann meinen Hund nicht erziehen.

Was tun wir also völlig reflexartig in solchen Situationen, um die drohende Beißerei zu vermeiden? Wir nehmen die Leine kurz und straff, damit wir zunächst den bevorstehenden Ruck abwehren können und des Weiteren ein direktes Zusammentreffen der beiden Hunde, und damit evtl. eine Rauferei, zu vermeiden.

Was ist passiert?

Auf den ersten Blick treffen hier zwei rauflustige Hunde aufeinander. Die Situation ist jedoch sehr viel komplexer.

Der Hund fühlte sich lange vor der Begegnung schon unwohl und zeigte dies mit deutlicher Anspannung im Körper. Frauchen hat nicht darauf reagiert und bestand weiter darauf, auf Flocki zuzugehen. Kurz vor der Eskalation nimmt Frauchen auch noch die Leine kurz und straff, engt also den Hund noch mehr ein, obwohl er ja schon deutliches Missfallen zeigte, und bringt so die ganze Situation zum Kippen. Der Hund, in seiner Not, hat also aus Hundesicht nur folgerichtig gehandelt. Und durch Erfolg, wurde er auch noch bestätigt aus seiner Sicht alles richtig gemacht zu haben..

Das Problem lag also, wie so oft, am anderen Ende der Leine.

Hätte die Hundebesitzerin den Wunsch des Hundes nach Abstand respektiert, etwa duch Wechseln der Straßenseite, wäre die Situation sicher nicht eskaliert. Wer das uncool findet, dem bleibt nichts anderes übrig, als seinen Hund mit solchen Situationen vertraut zu machen. Was übrigens auf lange Sicht die bessere Variante wäre, denn manchmal ist Ausweichen einfach nicht möglich.

Wir können in unserer Gesellschaft leider nicht ohne Leine auskommen, und wir haben die Aufgabe unsere Hunde darauf einzustellen.

Ansonsten dreht sich die Spirale: Der Hund macht Probleme beim Spazierengehen und bringt den Besitzer immer wieder in „peinliche“ Situationen oder, wenn es ein kräftiger Hund ist, sogar in Gefahr, vom Hund umgeworfen zu werden. Beißereien bringen auch vielfältigen Ärger mit sich. Die Spaziergänge werden immer seltener, Besitzer und  Hund werden immer frustrierter. Der Hund bekommt keine Auslastung mehr, er muß mit seinem Frust und seiner Energie aber irgendwo hin und sucht sich Ersatzbeschäftigungen, die allerdings selten erwünscht sind und meist neue Probleme aufwerfen.

Problemlösung Leinenaggression?

Leider kann man in solchen Fällen keine pauschale „Gebrauchsanleitung“ für die Lösung des Problems geben (wie leider so oft). Es ist unbedingt notwendig die Ursache für dieses Verhalten zu ergründen und dazu braucht man einen erfahrenen Hundetrainer, der die Situation beurteilen kann und Lösungsansätze aufzeigen kann.

Seien Sie sich aber auch im Klaren darüber, daß nicht jeder Hund ein völlig freundlicher und verträglicher Artgenosse wird. Manche Hunde haben einfach keine Lust auf Kontakte zu fremden Hunden. Wenn Ihr Hund im Freilauf mit anderen Hunden gut auskommt und nur an der Leine pöbelt, dann stehen die Chancen gut, die Leinenaggression zu therapieren. Sollte Ihr Hund aber auch im Freilauf kein Interesse am friedlichen Spielen mit fremden Artgenossen haben, so wird Ihr Hund mit aller Wahrscheinlichkeit auch nicht mit viel Übung  der „Liebling auf der Hundwiese“ werden. Allerdings ist es durchaus möglich, auch solche Hunde durch Training dazu zu bringen, daß sie höflich an anderen Hunden vorbeigehen können, ohne daß der Hund immer gleich großes Theater macht.

Wer aufgibt hat schon verloren!

Einen interessanten und lesenswerten Artikel von Conny Sporrer zu diesem Thema habe ich auf crazy4dogs gefunden.

Auch Tasso e.V. hat eine interessante Veröffentlichung zum Thema gemacht.

Mit aus diesem Grund gehört es auch zur Höflichkeit unter Hundehaltern, den eigenen Hund zurückzupfeifen, wenn ein angeleinter Hund entgegenkommt.

Mehr dazu bei:  Gelber Hund, was Ist das?

                              Gelber Hund

3 Kommentare

  1. Seit paar Wochen haben wir einen weiteren vierbeinigen Freund bei uns zuhause und er reagiert anders an der Hundeleine. Unser erster Hund wirkt oft desinteressiert, aber der zweite legt sich auf den Boden und wedelt mit dem Schwanz und wartet bis der andere Hund uns entgegen kommt, beim GAssi gehen. DAnn beschnüffeln sie sich ie verrückt und gehen weiter 🙂 Finde ich immer sehr lustig! 

    PS: Toller BEitrag !! und im ersten Absatz ist das Wort "Gehweg" ohne "h" geschrieben 🙂

    1. Schön, daß ihr so viel Spaß habt bei euren Spaziergängen, und dass „Nr 2“ zwei soviel Freude an Hundebegnungen hat. Jeder Hund ist eben ein Unikat, und das ist auch gut so.

      Diese verflixten Schreibfehler schleichen sich doch immer wieder ein, danke fürs Finden!

      Liebe Grüße Sabine

       

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