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Scheidungshund

 

Laut statistischem Bundesamt in Wiesbaden wurden im Jahr 2014 166200 Ehen geschieden, das sind 2,1% weniger als im Jahr davor. Nach den derzeitigen Scheidungsverhältnissen werden etwa 35% aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Laufe der kommenden 25 Jahre wieder geschieden. Die durchschnittliche Dauer der Ehen betrug im Jahr 2014 14 Jahre und 8 Monate. Etwa die Hälfte der geschiedenen Eheleute hatten gemeinsame Kinder unter 18 Jahren, das betrifft 134800 Kinder im Jahr 2014. Soweit die Statistik!

Viele dieser Familien haben nicht nur Kinder, sondern auch Hunde, Katzen oder andere Haustiere, die ja nun leider „mit geschieden“ werden müssen.

Was bedeutet eine Scheidung/Trennung für Hunde?

Tiere haben ebenso Gefühle wie Menschen und leiden unter der Situation. In manchen Fällen ist es klar, das Tier fühlt sich zu dem einen oder anderen Menschen mehr hingezogen und bleibt dann vernünftigerweise dort. Es kann aber genauso sein, daß nach der Trennung beide Menschen in die Arbeit gehen müssen und keine Zeit mehr für das Tier bleibt, was passiert dann mit dem Haustier? Oder was ist, wenn sich die Parteien gar nicht einigen können und beide das Tier behalten möchten?

Oft streiten die Parteien bei einer Scheidung oder Trennung um die Haustiere und das Gericht muß entscheiden. Wer bekommt Maunzi oder wer bekommt Hasso. Darf ich mit dem Hund nach wie vor Gassi gehen oder kann er am Wochenende zu mir kommen? Es ist hinreichend bekannt, wie sehr Kinder unter der Trennung ihrer Eltern leiden, aber was ist mit den Haustieren? Welche Rechte haben die Tiere, wenn sich Herrchen und Frauchen trennen? Ist das ähnlich wie bei Kindern?

Nein, ist es nicht!

Haustiere gelten rechtlich immer noch als Sache und werden als solche behandelt. Sie sind also rein rechtlich einem Möbelstück oder einem Teppich gleichgestellt. Das hören wir Hunde- oder Katzenhalter gar nicht gerne, läßt sich aber nicht ändern. Tiere können also wie Gegenstände vor  Gericht erstritten werden. Bei der Frage, wer nun das Haustier bekommt, wird nicht, wie bei Kindern, auf das Wohl des Tieres Rücksicht genommen und festgestellt, bei wem es das Tier besser hätte. Auch ein „gemeinsames Sorgerecht“ gibt es für Scheidungshunde nicht. Das Ziel der Verhandlung ist rein sachlich und  vielmehr eine billige und gerechte Aufteilung der Haushaltsgegenstände, inclusive des Haustieres. Sind mehrere Hunde aufzuteilen, so können die Tiere auch getrennt werden, dies ist den Tieren laut Gesetz zuzumuten.

So etwas wie ein Umgangsrecht mit dem Haustier ist in der Rechtsprechung nicht vorgesehen, allerdings kommt es auf den Einzelfall an und es gibt Gerichte, die ein Umgangsrecht einräumen. Jeder Richter kann nach seinem eigenen Ermessen und seinen Ansichten entscheiden. Welche Kriterien er für seine Entscheidung heranzieht kann sehr unterschiedlich sein.

In manchen Entscheidungen darf das Tier bei dem Ehepartner bleiben, der in der ehelichen Wohnung bleibt, damit das Tier in seiner gewohnten Umgebung weiter leben darf. Andere Richter gewähren weiter ein wechselndes Umgangsrecht für das Tier, wiederum andere weisen das Alleineigentum einer Partei zu, wie sie es mit den diversen Haushaltgegenständen auch tun. Es hängt also alles vom jeweiligen Richter ab, wieviel Verständnis er für Tiere in dieser misslichen Lage aufbringen kann.

Wie gut es einem Tier nach einer Scheidung jedoch wirklich geht, liegt einzig in der Verantwortung der Tierhalter und Eheleute selbst. Sie kennen das Tier am besten, und mit einer gütlichen Einigung im Sinne des Tieres kann eine bestmögliche Lösung für Hasso oder Maunzi gefunden werden. Egoismus oder Rachegelüste dem Partner gegenüber haben bei der Entscheidung über die Zukunft von Tieren nichts zu suchen. Die Haustiere können schließlich nichts dafür, wenn sich die Menschen nicht mehr verstehen.

Was tun?

Wer nicht in eine solche Situation geraten möchte, sollte sich bei Anschaffung seines Haustieres bereits Gedanken machen. Wenn hier ein genauer Eigentumsnachweis vorliegt, braucht später nicht darum gestritten werden. Ist das Tier bereits vor der Eheschließung von einem Partner angeschafft worden, so ist das Eigentum klar. Der, der den Hund mit in die Ehe gebracht hat, der nimmt ihn bei der Trennung auch wieder mit.

Tipp!

Wurde der Hund in der Ehe von beiden Partnern gemeinsam angeschafft, so ist das Eigentum meist nicht beweisbar. Eine gütliche Einigung ist hier für alle Beteiligten das Beste. Gelingt keine gemeinsame Lösung, so folgt meist ein emotionaler Leidensweg vor Gericht. Auch ein Ehevertrag oder eine Trennungsfolgenvereinbarung, in denen das Haustier berücksichtigt wurde kann helfen. Um sicher zu gehen, sollte man hierbei eventuell einen Anwalt oder Notar bemühen.

 

 

 

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