Pfote

Was ist eigentlich eine Pflegestelle?

 

Immer mehr Tierschutzvereine arbeiten mit Pflegestellen. Aber was ist eigentlich eine Pflgestelle und welche Aufgaben hat sie?

Viele Tierschutzvereine- oder Organisationen arbeiten mit privaten Pflgestellen entweder zusätzlich zum klassischen Tierheimbetrieb oder auch ganz ohne herkömmliches Tierheim mit Zwingern oder Gruppenhaltung.

Die Pflegestellen werden von hundelieben und hundererfahrenen Privatleuten angboten. Sie nehmen für eine gewisse Zeit Tiere bei sich Zuhause in ihrer Familie auf, im Idealfall bis zu ihrer Vermittlung in ein neues Zuhause. Die Tiere sind nur zu Gast in ihren Pflegestellen, nehmen jedoch am ganz normalen Alltagsleben mit meist weiteren Familienhunden teil. Die anfallenden Kosten für Futter, Tierarzt oder Versicherung werden vom Verein übernommen, sodaß für die Pflegefamilien keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Voraussetzung für eine Pflegestelle sollten natürlich viel Platz, viel Zeit und die Zustimmung aller anderen Familienmitglieder sein.  Man bekommt in den allermeisten Fällen ein Überraschungspaket ins Haus geliefert und sollte auf alles vorbereitet sein. Es sollte zumindest in der ersten Zeit die Möglichkeit bestehen, daß der Hund nicht alleine bleiben muß. Die eigenen Hunde der Pflegestelle sollten verträglich sein und nicht selbst in Not geraten, weil ein Gast im Haus einzieht. Ein gut eingezäunter Garten ist ebenfalls von Vorteil, damit sich die Hunde auch mal frei und ungezwungen bewegen können.

Die Aufnahme hilfsbedürftiger Hunde, die sich gerade in einem Ausnahmezustand befinden, ist nicht zu unterschätzen. Der Pflegehund muß mit viel Gefühl in die Pflegefamilie integriert werden. Schließlich hat er meist Schlimmes hinter sich und muß sich erst mit der neuen Situation zurecht finden. Oft sind die Hunde auch krank und müssen dann zum Tierarzt oder Therapeuten gebracht werden. Es kann sein, daß täglich Medikamente gegeben werden müssen, Physio-Übungen nach z. B. Knochenbrüchen gemacht werden müssen oder das Haarkleid eine besondere Pflege braucht. Viele Hunde haben auch seelische Probleme und bedürfen ganz besonderer Zuwendung und Hilfe. Manche sind ängstlich, manche sind agressiv, andere Hunde haben in ihrem bisherigen Leben nie mit Menschen in einem Haus gelebt, z.B. die Straßenhunde. Sie müssen dieses neue Leben mit Regeln und Gassi an der Leine erst erlernen, sie müssen mit dem Hunde ABC hier in Deutschland ganz neu anfangen. Und ein Hund von einem Vermehrer wird sicher andere Ansprüche an seine Pflegefamilie stellen wie ein Hund , der in einer Familie gut versorgt war, aber trotzdem ein neues Zuhause braucht.

Hunde sollten auf Pflegestellen nicht nur verwahrt oder geparkt sein. Sie sollten eine individuelle Betreuung mit Familienanschluß erhalten. Es ist wichtig, sie auf ein neues Zuhause vorzubereiten und sie zu erziehen. Der Hund hat die besten Vermittlungschancen, wenn er gerlernt hat sich in den Alltag des neuen Besitzers einfügen zu können. Nicht jeder neue Besitzer ist ein ausgewiesener Hundeexperte. Letzendlich gilt, je unkomplizierter der Hund, desto wahrscheinlicher ist es, daß das neue Herrchen oder Frauchen einen harmonische Beziehung mit ihrem Hund auf Lebenszeit miteinander verbringen werden.

Die Pflegestelle kennt den Hund am Besten und wird bei der Vermittlung maßgeblich an der Auswahl eines neuen Besitzers beteiligt sein. Seriöse Tierschutzvereine versuchen immer ein passendes Hund-Mensch-Team zu finden, andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit, daß der Hund wieder zurückgebracht wird, erhöht. Auf Pflegestellen kann man das Verhalten von Hunden im Alltag sehr viel besser beurteilen, als wenn die Hunde im Zwinger leben. Oft benehmen sich Hunde in einem Zuhause ganz anders wie sie sich im Tierheimzwinger gezeigt haben.

All dies müssen Pflegestellen leisten. Hier sind also erfahrene und gefühlvolle Menschen gefragt, die Alrountalente im Umgang mit Hunden  sind. Wenn jemand noch nicht so erfahren ist, aber trotzdem gerne helfen möchte, so sollte er sich mit einem Tierschutzverein in Verbindung setzen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gfallen und es gibt selbstverständlich auch „einfache“ Hunde, mit denen man sich an diese hilfreiche und verantwortungsvolle Aufgabe herantasten kann.

Das größte Problem jedoch ist, daß man einerseits den Pflegehund in ein schönes Zuhause einbinden soll, sich aber andererseits nicht zu stark an das Tier binden darf, denn es soll ja in ein neues Zuhause vermittlet werden. Man muß den Hund also wieder abgeben und das ist oft mit vielen Tränen verbunden. Es gibt genügend Beispiele für sogenannte „Pflegestellenversager“, die es einfach nicht übers Herz gebracht haben das anvertraute und liebgewonnene Tier wieder herzugeben. Das ist eine wunderbare Situation für den Hund und Frauchen/Herrchen, aber diese Pflegestelle kann dann meist nicht mehr als solche weiterarbeiten, denn der Platz ist ja nun belegt und man kann ja nicht beliebig viele Hunde bei sich aufnehmen. Die meisten „Versager“ haben auch Angst, daß ihnen das beim nächsten Hund wieder so geht. Die Trennung von einem Pflegehund, besonders wenn er etwas längere Zeit in der Familie verbracht hat, ist immer schmerzlich und sollte vorher gut überlegt sein.

Aber Gott sei Dank gibt es viele Menschen, die sich diese Aufgabe zutrauen und sie bravourös bewältigen. Vielen, vielen Hunden wurde durch diese Einrichtung bisher ein Tierheimaufenthalt in einem Zwinger erspart. Eine Pflegestelle ist eigentlich der Idealfall für Hunde, die, aus welchem Grund auch immer, in ein neues Zuhause umziehen müssen.

 

Unter hundert Menschen liebe ich nur einen, unter hundert Hunden neunundneunzig.

Marie von Ebner-Eschenbach

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