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Wie Hund und Katze!

 

Als unsere 9 Monate alte Podencomix-Hündin bei uns einzog, bekamen wir ein echtes Überraschungspaket geliefert. Wir hatten sie zwar im Tierheim auf Teneriffa 2x gesehen und sie ausgesucht, aber in ihrem neuen Zuhause in Deutschland war dann doch vieles anders.

Unter anderem hatten wir ein Katzenproblem. Nun, wen wunderts, Podencos sind Jagdhunde, sogar Megajagdhunde. Madame wollte diese Katzen einfach jagen, sie hat auf den Hinterbeinen Tänze aufgeführt und in den höchsten Tönen gejodelt, gesabbert und hyperventiliert wenn sie nur eine Katze erblickte. Sofort legte sich der Schalter um, und das Gehirn befahl: JAGEN! Besser gesagt HETZEN, denn das ist podencotypisch ihre Passion. Podencos jagen mit einem „weichen Maul“, das heißt sie fangen die Beute, aber töten sie nicht (es sei denn, das Karnickel bekommt einen Herzinfarkt!). Auf diese Eigenschaft wollten/konnten wir uns aber nicht verlassen. Unsere alteingesessenen Katzen sollten natürlich von diesem neuen Monsterhund verschont bleiben.

Was also tun? Ich dachte mir, wir beginnen im Haus mit einer Konfrontationstherapie, irgendwann wird es ihr doch wohl zu blöd werden. So war jedenfalls der Plan. Damals wußte ich noch nicht, daß wer sich einen Podenco ins Haus holt, immer damit rechnen muß, daß der Hund in jedem Fall noch einen Plan B und auch noch einen Plan C in der Tasche hat.

Die Therapie sollte beginnen. Da Podilein körperlich kaum zu halten war wenn sie Katzen sah, dachte ich mir, ich binde sie am Treppengeländer an und setze mich entspannt daneben, dann kann sie werken wie sie will, irgenwann wird sie sich schon beruhigen. Die Katzen wurden also ins Haus gelassen und der Aufstand begann. Ich saß in einem Sessel neben dem Hund und war recht locker. Allerdings nicht lange, denn die vererbte, gute Lederleine, die schon das 15jährige Leben meiner Bobtailhündin bestens überlebt hatte, wurde mit einem kurzen Ruck zerrissen und die Hatz konnte beginnen. Die Katzen hatten Gott sei Dank Heimvorteil, wußten also sofort wo sie sich sich verstecken können, und ich habe die Übeltäterin auch schnell wieder einfangen können. Der Hund sabberte und geiferte und war kaum zu bändigen. Gut, dieser Versuch war gründlich schief gegangen. Die Katzen waren völlig entsetzt und das kleine Monster hatte sich nach einer Stunde immernoch nicht beruhigt. Die Katzen wurden also wieder in den Garten geschickt, das war ihnen unter diesen Umständen sowieso lieber.

Am nächsten Tag kaufte ich eine stabile und angeblich unkaputtbare Gurtbandleine und startete den nächsten Versuch, allerdings ohne Treppengeländer. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine Katzen, daß sie weiter so gut mitgespielt haben. Nun saß ich also mit meinem Hund an der Leine im Haus und wir haben Katzenkino geguckt. Jeden Tag, am besten mehrmals. Der Hund kam an die Leine und die Katzen durften ins Haus. Der Plan war, daß Cleo so lange mit den Katzen konfrontiert sein sollte, bis sie sich beruhigt, dann ist die „Sitzung“ beendet und die Katzen sollten wieder in den Garten. Das konnte allerdings schon mal 1-2 Stunden dauern.

Anfangs dachte ich das wird nie was, ich bin in solchen Dingen ja geduldig, aber immer, wenn ich einen Hoffnungsschimmer am Horizont sah, wurde der bei der nächsten „Sitzung“ wieder zunichte gemacht. Die Katzen merkten schnell, daß das Monster an der Leine war und ihnen nichts mehr anhaben konnte. Sie bewegten sich immer freier und begannen den Hund zu ignorieren. Das wiederum brachte Cleo dann wieder aus der Fassung, und sie eschauffierte sich fürchterlich und jodelte wieder ihren Jagdgesang.  Für Cleo war ein Leben in einem Haus mit Menschen, die das Sagen haben wollten, völlig neu. Sie kannte in ihrem bisherigen Dasein nur die Regeln der Straße und des Rudels. Soetwas wie „NEIN“ (und alles andere auch!) musste sie erst noch lernen und so war es ein echtes Kräftemessen zwischen uns beiden. Ich hatte oft Mühe den doch sehr großen und kräftigen Hund zu halten, aber irgendwie ging es dann doch (ich bin froh, daß uns dabei keiner gefilmt hat!).

Langsam, sehr langsam begannen die Fortschritte. Diese wirklich zeitaufwändige „Therapie“ ging über mehrere Monate und es gab bessere Tage, schlechte Tage und ganz schlechte Tage. Aber Cleo begann nach einiger Zeit  dann doch ruhiger zu werden beim Anblick der Katzen und irgendwann konnte ich relativ entspannt auf der Couch liegen, und Cleo lag neben mir mit lockerer Leine, zwar angegespannt, aber sie zog mich nicht mehr vom Hocker. Und nach 3 Monaten harter Trainingsarbeit habe ich es zum ersten Mal gewagt die Leine wegzulassen. Ich glaube ich war gespannter als der Hund, aber es ging gut. Ich habe dann noch eine ganze Weile Katz und Hund nur unter Aufsicht zusammen gelassen, aber mit der Zeit wurden wir alle entspannter und Cleo hat die Katzen als selbstverständlichen Teil unserer Familie akzeptiert.

Das ist nun 6 Jahre her und seit gut einer Woche haben wir ein ganz, ganz kleines Fundkätzchen bei uns aufgenommen. Verwurmt, verfloht und schlimmer Katzenschnupfen. Der Virus hat ihm leider schon ein Auge so stark geschädigt, daß er auf diesem Auge blind bleiben wird.

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Anfangs haben wir den kleinen Kerl spariert, bis er sich etwas erholt hatte und die Parasiten abgetötet waren. Dann wurde er munterer und wir haben ihn zunächst mit unseren Hunden bekannt gemacht, damit er nicht so alleine ist. Das Seelchen Mascha war erwartungsgemäß gar kein Problem, denn Mascha macht IMMER alles richtig (das ist wirklich so!). Und der Cleo-Pödel war hellauf begeistert, jippiiiiihhh! Leben in der Bude!

Und was macht der kleine Kater, er sucht sich ausgerechnet Cleo als Ersatzmama aus. Er läuft den ganzen Tag hinterher ihr her, natürlich wenn er nicht gerade schläft, frißt oder irgendwo! sein Geschäft verrichtet. Und Cleo bewacht ihn, putzt und knufft ihn. Der Kleine wird von Tag zu Tag frecher, er springt Cleo an, er fordert sie zum Spielen auf und er schläft mit ihr auf der Couch. Cleo erlaubt ihm einfach alles, sie gewährt ihm Narrenfreiheit. Es sieht so aus, als ob sich zwei gesucht und gefunden hätten.

 

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Ich erzähle diese Geschichte, weil wenn mir das vor 6 Jahren auf meiner Couch mit dem Hund an der Leine jemand erzählt hätte, ich hätte ihn für komplett verrückt erklärt. Aber es bewahrheitet sich immer wieder, ein Podenco ist IMMER für eine Überraschung gut, und genau das macht diese Hunde sooooo liebenswert.

 

 

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