Streit

Wieviel ist ein Hund wert?

 

Wieviel ist mein Hund eigentlich wert?

Wenn man mich fragt, dann ist mein Hund unersetzlich und gar nicht bezahlbar.

Das ist meine persönliche und emotionale Einschätzung, die allerdings gar nichts mit der rechtlichen Situation im Falle einer „Beschädigung“ meines Hundes zu tun hätte. Der Hund, natürlich auch meiner, ist rein rechtlich gesehen immernoch eine Sache, leider.

WIKPEDIA schreibt dazu folgendes für Deutschland: Durch das TierVerbG wurde 1990 der § 90a BGB eingefügt, nach dem Tiere keine Sachen sind, man sie jedoch rechtlich wie Sachen zu behandeln hat. Das bedeutet, dass man beispielsweise einen Hund ohne Weiteres nach den Vorschriften über den Kaufvertrag kaufen und nach den sachenrechtlichen Vorschriften übereignen kann.

Sinn der Regelung ist es, die Tiere als Mitgeschöpfe wenigstens gedanklich von den Sachen zu unterscheiden.[4] Nach einer in der Literatur befindlichen Auffassung handelt es sich um eine „gefühlige Deklamation ohne wirklichen rechtlichen Inhalt“.[5] Auswirkungen hat er immerhin im Falle eines zu leistenden Schadensersatzes: Der Schuldner kann nicht ohne Weiteres eine Wertminderung eines durch ihn verletzten Tieres durch vorherigen längeren Gebrauch geltend machen, wie bei einer durch ihn beschädigten Sache; auch Heilkosten, die über den Verkaufswert des Tieres hinausgehen, können ihm in Rechnung gestellt werden (§ 251 Abs. 2 S. 2 BGB).

In Österreich wird es ähnlich gehandhabt: Tiere sind keine Sachen; sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Die für Sachen geltenden Vorschriften sind auf Tiere nur insoweit anzuwenden, als keine abweichenden Regelungen bestehen.“ (§ 285a ABGB).

 

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Kein Hundeliebhaber möchte es verstehen, denn wir wissen alle, daß unsere Hunde definitiv KEINE Sache sind. Auch eine „gefühlige Deklamation ohne wirklichen rechtlichen Inhalt hört sich nicht nach meinen Hunden an. Aber es ist wie es ist, und solange ich nicht mit meinem Hund in eine rechtlich relevante Situation gerate, ist mein Hund für mich jedenfalls keine Sache, sondern mein Freund Hund.

Sollte einem Hund jedoch etwas passieren, z. B. ein Unfall oder eine Beisserei, dann geht es ums Geld, und so muß im Zweifel das Gesetz entscheiden, und dann ist der Hund wieder eine Sache und wird auch als solche bemessen. Nun sollte man meinen, daß damit alles klar wäre, jedoch dem ist nicht so. Anhand einiger Gerichtsurteile in der Vergangenheit kann man erkennen, daß auch für die Gerichte nicht alles klar ist und das Gesetz sehr unterschiedlich ausgelegt werden kann.

Wird der Hund z.B. bei einem Autounfall getötet, so wird ein Wert festgelegt, der ersetzt werden muß. Viel komplizierter wird es, wenn der Hund „nur“ verletzt ist, und enorme Tierarztkosten verursacht werden. Wir alle wissen, daß Tierarztkosten den Anschaffungswert einen Hundes ganz schnell übersteigen können. Und in diesen Fällen entscheiden Gerichte sehr unterschiedlich. Einige Fallbeispiele:

Hund an Tankstelle angefahren, München

Die Eigentümerin und Halterin des Terriermischlings Pauli, 35cm groß und 8 Jahre alt, aus dem Tierheim geholt für 175 Euro, wollte am Tankstellenshop einkaufen. Den Hund leinte sie im Eingangsbereich des Tankstellengebäudes an, indem sie die Leine um den dort aufgestellten Abfalleimer wickelte und das Ende der Flexileine in die Öffnung des Mülleimers legte.

Der Fahrer eines kleinen PKW fuhr zwischen den Tanksäulen und dem Eingangsbereich an dem Hund vorbei und fuhr ihn an. Der Hund brach sich zwei Mittelfußknochen und hatte eine Bänderschädigung an den Hinterläufen. Der Hund mußte operiert werden, Behandlungskosten 2200.- Euro. Der Fahrer wollte nicht zahlen.

Der Fahrer wurde von der Richterin zur Zahlung von 1650,- Euro verurteilt, da er auf dem Tankstellengelände nicht genügend Aufmerksamkeit und Rücksicht auf die besondere Situation (vergleichbar mit erhöhtem Personenverkehr auf Parkplätzen) genommen hätte. Die Hundehalterin mußte sich ein Mitverschulden von 25% anrechnen lassen, da sie den Hund hätte so festleinen müssen, daß er unter keinen Umständen über den Vorplatz hinaus in die Fahrstraße hätte gelangen können. Das überwiegende Verschulden des PKW-Fahrers liege insbesondere in dem Umstand, dass er hätte erkennen können, dass möglicherweise der Warteplatz des Hundes nicht ganz ungefährlich ist, und sich der Hund –jedenfalls teilweise –auf der Fahrstraße befindet und die Platzverhältnisse beengt sind. Der Fahrer hätte dies als tatsächliche Gefährdungssituation werten müssen.

Zur Schadenshöhe stellte das Gericht klar, dass durch das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsstellung des Tieres im bürgerlichen Recht vom 20.08.1990 geregelt wurde, dass Behandlungskosten bei einem Tier auch dann ersatzfähig sein können, wenn diese den materiellen Wert des Tieres erheblich übersteigen. Das Gesetz berücksichtigt nunmehr auch den ideellen Wert. Folglich können Tiere nicht uneingeschränkt wie Sachen behandelt werden, deren Wert ausschließlich materieller Art ist. Aber anders als beim Menschen, bei dem Heilbehandlungskosten im Rahmen des medizinisch Gebotenen grundsätzlich unbeschränkt erstattungsfähig sind, gibt es bei Tieren eine Obergrenze, jenseits derer die Heilungskosten unverhältnismäßig sind und damit nicht ersetzt werden müssen.

Kriterien, wann die Kosten unverhältnismäßig sind, enthält das Gesetz nicht. Dies hängt nach den Ausführungen des Gerichts von den Besonderheiten des einzelnen Falls ab. Grundsätzlich spielen dabei der Wert des Tieres und sein Alter lediglich eine untergeordnete Rolle. Die Höhe der Erfolgsaussicht der Behandlung spielen insoweit eine Rolle, als umso höhere Kosten aufgewendet werden dürfen, je höher die Erfolgschancen der Heilbehandlung sind. Im vorliegenden Fall sei die Behandlung der Verletzungen ohne großes Risiko möglich, und bei normalem Verlauf eine vollständige Genesung zu erwarten gewesen. Das Gericht hat daher bei dem Hund Pauli, mit Blick auf den im Tierschutzgesetz niedergelegten Gedanken des Schutzes der lebenden Natur, die angefallenen Heilbehandlungskosten für verhältnismäßig erachtet. Wegen des 25%igen Mitverschuldens der Hundehalterin waren daher 1650 Euro zu erstatten.

Gericht:
Amtsgericht München, Urteil vom 06.12.2013 – 344 C 1200/13

 

Landgericht Mannheim

Zwar sind die Heilbehandlungskosten eines verletzten Tieres auch dann verhältnismäßig, wenn sie den Wert des Tieres erheblich übersteigen, jedoch bedeutet dieser Grundsatz nicht, daß es bei der Erstattung von Tierheilungskosten überhaupt nicht auf deren Höhe ankommt. Vielmehr gibt es auch bei Tieren durchaus eine Obergrenze, jenseits derer die Heilkosten unverhältnismäßig sind. Bei Bestimmungen dieser Obergrenze haben die besonders gelagerten emotionalen Bindungen des Hundehalters zu seinem Tier keine Bedeutung mehr. Bei dem geschätzten Wert des verletzten Hundes in Höhe von 500 bis 1.000 DM sah das Gericht die Obergrenze mit 10.000 DM als erreicht an.
(LG Mannheim, Az. 20 S 127/94)

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Auseinandersetzung zwischen Hunden, St Pölten

Ein 2,5jähriger reinrassiger Sheltierüde, rund 12 kg schwer, geriet mit einem Deutsch Langhaarrüden, 7 Jahre und 40-42 kg schwer, aneinander. Der Sheltie hatte Pech und zog sich eine gelenksnahe Trümmerfraktur des linken Schienbeines zu und mußte operativ versorgt werden. Durch starke Belastung des verletzten Beines, brach das Bein nach 14 Tagen erneut und mußte wieder operiert werden.

Das Landesgericht St. Pölten stellte fest, dass der Deutsch Langhaarrüde einer für diesen Hund nicht geeigneten Person anvertraut wurde, sodass der Hundehalter für den Schaden haftbar ist. § 1332a ABGB gewährt tatsächlich aufgewendete Kosten der Heilung und der versuchten Heilung. Während bei Menschen kein Bezug zwischen den Heilungskosten und dem – in Geld gar nicht messbaren – Wert der körperlichen Gesundheit hergestellt werden kann, ist ein solcher bei Tieren herzustellen. Der Wert des Tieres bildet zwar keine Obergrenzen, doch darf er bei der Schadensbemessung nicht außer Acht gelassen werden. Maßstab ist ein verständiger Tierhalter, der in der Lage des Geschädigten die konkreten Kosten aufgewendet hätte. Das Gericht führt aus, dass ein verständiger Tierhalter z.B. außergewöhnliche und sehr kostenintensive chirurgische Eingriffe nicht vornehmen lassen würde, sofern sie nicht im  Wert des verletzten Tieres ihre Deckung findet. Umgekehrt steht auch bei einem Tier mit nur geringfügigem oder gar keinem Geldwert Heilungskostenersatz grundsätzlich zu.

Im vorliegenden Fall sind Heilungskosten von € 4.700,00 angefallen. Der rund 2 ½-jährige Hund hatte einen Wert von € 950,00, sodass etwa das fünffache seines Wertes zu seiner Heilung aufgewendet wurde. Unter Zugrundelegung obiger Überlegungen, des Alters des Hundes (2 1/2 Jahre) und dass er ein „Familienhund“ war, kommt das Gericht zu dem Schluss, dass auch Heilungskosten im Betrag des fünffachen des Wertes des Hundes von einem verständigen Tierhalter aufgewendet worden wären.

Ist das Tier nicht mehr heilbar, sind die Kosten jedoch nicht ersatzfähig.

 

Ein aktueller Fall aus Oldenburg

Die kleine Jack Russel Mischlingshündin Ronja (Tierheim, 100,- Euro) wurde von einem Wolfshund, der über den Zaun sprang,  gebissen und schwer verletzt. 4100.- Euro Behandlungskosten fielen beim Tierarzt an, doch so viel Geld muß der Wolfshundbesitzer nach Entscheidung des Gerichts nicht ansetzen.

Bei der Frage, wie hoch die Behandlungskosten für einen verletzten Hund sein dürfen, und ab welcher Summe man den Hund lieber einschläfern sollte, gibt es verschiedene Aussagen. Im Fall der Mischlingshündin Ronja aus Delmenhorst hat das Gericht entschieden, daß bei 3000,-Euro schluss ist. Damit werden die vollen Behandlungskosten nicht in vollem Umfang ersetzt.

In einem ersten Prozess hatte das Gericht bereits entschieden, daß dem Hundebesitzer 80% zustünden (die Versicherung des Wolfshundebesitzers bot nur 50%). Das heißt, Ronjas Besitzer stehen nur 80% von 3000 Euro zu, nämlich 2400,- Euro. Den Rest, rund 1700,- Euro, muß der enttäuschte Besitzer von Ronja selbst bezahlen. Begründung war das Tierhalterrisiko.

So hat das Gericht gerechnet: Der Wert des Hundes entspricht dem dreifachen Wert der jährlichen Haltungskosten von 1.000 Euro. Demnach hätte die Behandlung von „Ronja“ maximal 3.000 Euro kosten dürfen, sagte der Pressesprecher des Landgerichts, Michael Herrmann. Damit bestätigten die Oldenburger Richter den Verteilungsschlüssel des Amtsgerichts Delmenhorst. Dort hatten die Richter in der ersten Instanz 80 Prozent der Kosten zugesprochen.

 

An diesen Beispielen sieht man, daß der Wert eines Hundes durchaus unterschiedlich bewertet werden kann und sich nicht an einem subjektiven Befinden orientiert. Ich hoffe ich komme niemals in die Situation, mir von einem Gericht den Wert meines Hundes vorrechnen lassen zu müssen.

 

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