Kranke Mascha

Woran erkenne ich einen guten Tierarzt?

 

 

Wann ist ein Tierarzt eigentlich ein guter Tierarzt? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten und wird sicher unterschiedlich wahrgenommen.

Ich erwarte von einem guten Tierarzt: 

Interesse am Wohlergehen meines Hundes. Das merke ich bereits beim ersten Besuch im Verhalten des gesamten Praxisteams und in Gesprächen mit dem Tierarzt und muß dann entscheiden, ob ich diese Praxis nocheinmal aufsuchen werde.

Ein ganz wichtiges Indiz ist für mich, wenn der Tierarzt dem Hund die Gelegenheit gibt ihn zu beschnuppern bevor er die Untersuchung beginnt. Der Hund ist aufgeregt und sollte schon die Gelegenheit bekommen zu wissen, mit wem er es zu tun hat. Ich möchte schließlich beim Arzt auch zunächst einmal begrüßt werden, vor allem, wenn er neu für mich ist, bevor er mich behandelt. Das ist einfach höflich, bei Menschen und Hunden.

Fachliche Kompetenz. Das ist schon schwieriger zu beurteilen, denn ich bin ja selbst kein Tierarzt. Man kann sich aber bei anderen Hundehaltern Informationen einholen, welche Erfahrungen diese gemacht haben. Hier wird man also nach einer Behandlung selbst (oder der Bauch) entscheiden müssen, ob dieser Tierarzt mit seiner Behandlung geholfen hat. Auch Internet-Bewertungsportale können zu Rate gezogen werden, obwohl die Kommentare anonym abgegeben werden und somit mit genügend Vorsicht zu bewerten sind.

Wenn man schon länger einen Hund (oder mehrere) besitzt, dann wird sich die Erfahrung mit seinem Tierarzt zu einem hoffentlich vertauensvollen Verhältnis herangebildet haben.

Was ich ganz sicher NICHT von einem Tierarzt erwarte:

– Gefühlloses Verhalten meinem Hund gegenüber

– Hektik und Zeitdruck

– Falsche Diagnosen/Inkompetenz/Behandlungsfehler

Ein Tierarzt ist auch nur ein Mensch und er/sie kann keine Wunder vollbringen, aber Interesse an seinen Patienten und an dessen Krankheit (auch, wenn es mal eine ausgefallene sein sollte) erwarte ich in jedem Fall.

Ein Tierarzt ist in seinem Beruf Unternehmer und muß von seiner Arbeit leben.  Das soll er auch! Das Unterhalten einer gut ausgestatteten Tierarztpraxis kostet viel Geld und so muß er für seine Arbeit auch ordentlich bezahlt werden.

Trotzdem hat man in manchen Tierarztpraxen den Eindruck, daß hier auch gut geschulte Verkäufer am Werk sind. Da wird auch schnell mal hier ein Zusatzmittelchen verkauft und dort ein Superfutter angeboten. Pillen für alte Hunde, Pülverchen für hyperaktive Hunde und Tropfen für nervöse Hunde. Da ist der Hundehalter schnell überfordert und sagt schnell mal JA und schwups ist die Rechnung noch etwas höher als erwartet.

Es ist natürlich schwierig die schwarzen Schafe dieser Zunft von den weißen zu unterscheiden. Ein deutlicher Hinweis ist es jedoch, wenn eine Tierarztpraxis mit Werbung von Pharmafirmen und Futtermittelherstellern sehr gut „ausgestattet“ ist. Die Krönung ist ein Flatscreen im Wartezimmer, wo der Tierhalter subtil mit Werbefilmchen, die natürlich als Informationsfilm getarnt sind, „unterhalten“ wird. Das ist der Moment, wo bei mir alle Warnsignale anspringen und höchste Vorsicht geboten ist.

Der Verkauf solcher Zusatzprodukte bringt ein Zusatzeinkommen für den Tierarzt, den man schnell mal mitnehmen kann. Das können oft auch die Helferinnen anbieten und somit spart der Tierarzt seine wertvolle Zeit und kann sich anderen Dingen widmen. Wie gesagt, der Tierarzt ist Unternhmer. Dennoch denke ich, daß sich der Arztberuf von anderen Berufen deutlich unterscheiden sollte.

Mir ist es erst kürzlich mit meiner Katze so ergangen. Ich besuchte eine Tierklinik, da meine Katze irgendwie nicht in Ordnung war. Sie war sehr müde, fraß nicht richtig und hatte viel Durst. Das Tier wurde untersucht und eine Blutentnahme wurde vorgenommen. Ich wartete im Wartezimmer auf das Ergebnis und wurde dort von einem Fernseher berieselt, der mich über viele verschiedene Krankheiten bei Hunden aufklärte ( ich saß zufällig im Hundewartezimmer, aber ich denke im Katzenwartezimmer ist ein Film über Katzenkrankheiten gelaufen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Natürlich wurden auch gleich die entsprechenden Pharma-Lösungen für alle diese Probleme angeboten – fragen Sie ihren Tierarzt!

Als dann das Blut ausgewertet war, wurde ich zurück ins Sprechzimmer gerufen und man teilte mir mit, daß meine Katze an Niereinsuffizienz leide. Ich hatte bereits von dieser häufig bei Katzen auftretenden Krankheit gehört, konnte sie aber mit all den Infos und Eindrücken in der Praxis nicht gleich zuordnen. Man erklärte mir also, daß die Katze ab sofort Medikamente bekommen sollte und vor allem ab sofort nur noch Diätfutter fressen dürfe. Man drehte mich herum, und da waren all die Medikamente und Futtermittel sorgfältig und ansprechend aufgereiht und für mich präsentiert. Trockenfutter, Dosenfutter, Tropfen, Pillen, Pulver, Ampullen –  Medikamente und homöopatische Mittelchen. „Was ich denn mitnehmen möchte?“ ??? Ich bin ein versierter Tierarztgänger, aber das hatte ich so noch nie gehört. Ich sagte „Was braucht sie denn unbedingt? Ich kenne diese Mittel alle nicht und sie sind doch die Tierärztin“? Wir einigten uns auf ein Medikament für die Nieren und homöopatische Ampullen gegen die Übelkeit und Freßunlust. Den Rest habe ich ersteinmal abgelehnt, auch das Diätfutter. „Das braucht ihre Katze aber jetzt unbedingt!“ –  „Nein, meine Katze bekommt kein Fertigfutter!“ Damit erntete ich großes Erstaunen. Es folgte ein weiter Versuch mich vom Dosenfutter zu überzeugen (schließlich war ich ja bei den Medikamenten schon so sparsam), aber ich blieb standhaft. Ich bat um eine Liste mit erlaubten und unerlaubten Futtermitteln für nierkranke Katzen. Diese bekam ich dann nach einer Weile, nachdem man sich mit weiteren Tierärzten beratschlagen mußte. Irgendwie habe ich damit alles durcheinander gebracht. Es wäre doch so viel einfacher und auch lukrativer gewesen, wenn man mir das sündteure und so schön beworbene Diätfuttermittel der Firma XY lagenweise für den Rest des Katzenlebens hätte verkaufen können.

Zum Schluss bin ich aber dann doch noch in die Verkaufsfalle getappt. Ich stand mit meinem Katzenkorb schon auf der Türschwelle des Sprechzimmers, in meinem Kopf kreisten sorgenvolle Gedanken um meine Katze, als mir die Tierärzin  hinterrief „wir könnten ihrer Katze noch schnell eine Infusion geben, dann geht es ihr schneller besser“. Ok, deswegen war ich ja schließlich da und ich drehte brav wieder um. Der Galgen mit der Infusion stand schon bereit und meine Katze bekam „Wasser“ gegen Dehydrierung, ca. 1 Minute. Auf meiner Rechnung schlug diese dann mit weiteren 45 Euro zu Buche.

Wie ich oben schon mehrmals erwähnte, ein Tierarzt ist Unternehmer und muß von seiner Arbeit leben, ich gönne es ihm von Herzen. Wenn ich aber das Gefühl habe in einer Pharma-Verkaufsveranstaltung gemolken zu werden, dann fühle ich mich fehl am Platz. Es gibt auch andere Tierärzte, die eine gutgehende Praxis führen weil sie eben einfach gute und sensible Tierärzte sind. Dort fühle ich mich mit meinem Tier viel besser aufgehoben und kann dem Tierarzt meinen Hund auch anvertrauen.

 

 

Ich habe große Achtung vor der Menschenkenntnis meines Hundes, er ist schneller und gründlicher als ich.

Fürst Bismarck

 

 

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