240

Haltung mehrerer Hunde

In den letzten Jahren kann man immer häufiger beobachten, daß der Trend zum Zweithund (oder mehr) geht. Während noch vor 10 oder 15 Jahren fast ausschließlich Einzelhunde mit Herrchen oder Frauchen beim Spaziergang anzutreffen waren, so sieht man heute immer mehr Hunde im Doppelpack.

049

Auch bei mir wohnen schon fast immer zwei Hunde gleichzeitig. Für mich hat das eigentlich sehr viele Vorteile und ich denke für die Hunde ist es ebenfalls eine Bereicherung ihres Lebens. Wer will schon gerne ganz alleine leben? Der Hund ist ein soziales Rudeltier und er sucht zwar die Nähe der Menschen, aber wirklich verstehen kann ihn nur ein hündischer Partner. Auch wenn meine beiden Damen einen völlig verschiedenen Charakter haben und auf der Couch nicht miteinander kuscheln, so sind sie im Ernstfall ein perfektes Team. So ein „Ernstfall“ ist zum Beispiel ein ungebetener Gast, der sich erdreistet in die Nähe unseres Hauses zu kommen. Die Verteidigung des Heims erfolgt in immer gleichen Strukturen. Das Seelchen bellt zuerst und bleibt in sicherer Entfernung zum Feind, die Mutigere prescht vor und stellt sich dem „Feind“ direkt. Unter lautem Gebell wird der unerwünschte Besucher dann am Haus vorbei geleitet bis er wieder in sicherer Entfernung ist und keine offensichtliche Bedrohung mehr darstellt. Dann entspannt sich das Verteidigungsteam wieder und geht seiner Wege. Nur Frauchen funkt da manchmal dazwischen und ist dann eine echte Spaßbremse.

Niemals muß ich ein schlechtes Gewissen haben wenn ich die Hunde mal alleine lassen muß, denn sie sind nie alleine. Mit einem Hundepartner läßt es sich sehr entspannt auf Frauchen warten. Dann wird eben einfach eine Schlafrunde eingelegt.

Manche Schwäche eines Hundes kann mit einem Partner ausgeglichen werden. Meine allererste Hündin zum Beispiel war ein Tierschutzhund und sie war sehr, sehr ängstlich. Was auch immer sie in ihrem Vorleben erlebte, sie hatte Angst vor Allem und Jedem. Nach fast einem Jahr ohne nennenswerte Besserung zog ein kleiner selbstbewußter Rüde bei uns ein und fortan machte die Hündin Fortschritte. Sein Mut und seine Unbekümmertheit steckten sie an und aus ihr wurde nach und nach ein ganz normaler Hund. Seither weiß ich wieviel Hunde voneinander profitieren.

Auch macht Gassi gehen mit zwei Hunden deutlich mehr Spaß als mit einem Hund, vor allem es lohnt sich besser. Meine beiden Hunde sind meist gemeinsam unterwegs. Sie schnüffeln am gleichen Grashalm, sie spielen und rennen miteinander und die Chefhündin muß immer aufpassen, daß sie es nicht verpaßt wenn ihre Kollegin ein Bächlein macht. Dann muß sofort darüber markiert werden. Das ist für sie eine echte Aufgabe und ganz nebenbei hat sie nicht so viel Zeit sich auf die Hasen zu konzentrieren. Für mich eine echte Win-Win-Situation.

Es ist einfach spannend den beiden Hunden zuzuschauen und sie zu beobachten. Das kann natürlich NUR ein Hundemensch verstehen, alle anderen halten mich wahrscheinlich mindestens für etwas seltsam. Man kann aus dem Verhalten der Hunde untereinander so viel herauslesen, daß man seine Hunde viel besser kennenlernen kann. Das macht einfach Spaß, und doppelter Hund ist auch doppelt Spaß.

Ok, es gibt auch Nachteile. Das sind in erster Linie die Kosten, denn man braucht doppelt Futter, doppelt Hundesteuer, doppelt Körbchen und der Faktor Tierarzt kann, wenn man Pech hat, ziemlich ins Geld gehen. Eine Mietwohnung mit zwei Hunden zu finden ist sicher auch schwieriger als mit einem Hund.

Aber so ist das im Leben, jede Medaille hat zwei Seiten und man muß sich eben die richtige Seite heraussuchen.

 

Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.

Louis „Satchmo“ Armstrong

Mein Buchtipp zum Thema:

Mehrhundehaltung

Reinhardt, Clarissa von

Der Trend zur Mehrhundehaltung verstärkt sich. Viele Menschen versuchen, das Leben ihres Hundes so artgerecht wie möglich zu gestalten und für ein Rudeltier gehört dazu natürlich auch, mit Artgenossen zusammenleben zu können. Das bedeutet aber nicht, dass sich jeder Hund freut, wenn irgendein anderer bei ihm einzieht! Die Passung zwischen zwei, drei, vier… Hunden muss stimmen, damit sie sich miteinander wohl fühlen und gut vertragen. Deshalb muss bei der Auswahl des neuen Mitbewohners gut überlegt und bei seinem Einzug sorgfältig geplant werden. Ebenso muss sich der Halter fragen, für wie viele Hunde Platz in seinem Leben ist, denn schließlich geht es nicht um ein wahlloses Horten irgendwelcher Tiere, sondern um eine Lebensform, in der die Gruppe gern zusammenlebt und trotzdem Raum für die Bedürfnisse jedes Einzelnen bleibt. Clarissa v. Reinhardt ist überzeugte und begeisterte Mehrhundehalterin. Schon ihre Eltern, Großeltern und sogar Urgroßeltern hielten bis zu sechs Hunde in einer Gruppe und auch in ihrem eigenen Haushalt fand sich immer Platz für mehrere Hunde unterschiedlichen Alters, diverser Rassen bzw. Mischungen und entsprechender Charaktere. Mit mehr als 40-jähriger Erfahrung erklärt sie dem Leser humorvoll und detailliert, worauf man achten sollte, wenn man den Wunsch hat, mehrere Hunde zu halten, auf welche Schwierigkeiten man dabei auch stößt und wie man diese überwindet. Sie arbeitet seit über 20 Jahren als Hundetrainerin, Fachbuchautorin und gefragte Referentin. Das von ihr 1993 gegründete Ausbildungszentrum animal learn hat neue Maßstäbe in der gewaltfreien Hundeerziehung gesetzt. Sie lebt mit sieben Hunden, sechs Pferden und drei Katzen im oberbayerischen Chiemgau, wo sie auch den Tierschutzverein Häuser der Hoffnung e.V. gründete.

Ein Kommentar

  1. Hallo Sabine,
    Habe heute deinen Blog gefunden und gerne darin gelesen. Schön, daß du die Geschichten deiner Hunde mit einem Augenzwinkern erzählst.
    LG
    Petra

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.